"Ich habe fertig!"


  • Grottenkick
  • 16.02.2014
  • 12:10

grottenkickFussballtrainer haben einen harten Job. Erst grübeln sie Tag und Nacht, was sie mit ihrer Mannschaft trainieren wollen, dann wieder Tag und Nacht darüber, wie die Taktik zum nächsten Spiel ausgelegt werden soll. Und ist der Schlusspfiff dann erfolgt, sind sie in Erklärungsnotstand.


Trainer und Spieler werden zum Interview gezerrt und analysieren, für jene die genau hinhören, oftmals nichts sagend, teils mit bekannten Worthülsen und ein anderes Mal wieder höchst erheiternd. So sind sie entstanden, die legendären Worte, Ein- und Ansichten.

Darrell Royal, ein ehemaliger American Football-Spieler und späterer Trainer merkte, dass "man nie ein Spiel verlieren kann, wenn der Gegner keine Tore schiesst". Und für Otto Rehhagel war klar: "Mal verliert man und mal gewinnen die Anderen" und stellte weiter fest: "Mit 50 bist Du als Fussballtrainer reif für die Klapsmühle. Wenn Du genug Geld verdient hast, kannst Du wenigstens erster Klasse liegen“.

Fussball ist einfach…
Für Johan Cruyff, den ehemalige holländische Fussballspieler und späteren Nati-Trainer war schon immer klar: "Fussball ist einfach, aber es ist schwer, einfach zu spielen". Logisch? Dann denken Sie mal über Beckenbauers Aussage nach: "Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage!" Eins, zwei, drei – und apropos zählen. Aleksander Ristic kam auch zu einer erstaunlichen Erkenntnis: "Wenn man ein 0:2 kassiert, dann ist ein 1:1 nicht mehr möglich".

…mit rundem Ball
Klassiker sind die angeblichen Aussagen von Sepp Herberger "Der Ball ist rund", sowie die Feststellung dass "das Spiel 90 Minuten dauert". Für Matthias Sammer hingegen war schon immer klar: "Das nächste Spiel ist immer das nächste". Und einer meinte gar: "Das nächste Spiel ist immer das schwerste". Mitunter muss man echt staunen, wenn man den Trainern zuhört, wie sie ihre Spieler für dem anstehenden Ernstkampf mental vorbereiten: "Wir müssen eng decken". Fortpflanzung auf dem Platz. Da geht es ja tierisch zu und her.

"Loddar International"
Lothar Matthäus schien auch (öfters) mal was verwechselt zu haben: "Die Spieler müssen Gras fressen". Meinte dann auch "Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken!" und versuchte sich auch international, denn das Mutterland des Fussballes soll ja England sein: "I hope we have a little bit lucky". Apropos Spieler und/oder Kühe, Rasen und Gras fressen. Da meinte Beni Thurnheer mal: "Der Rasen sieht alt und gebraucht aus, irgendwie erinnert er mich an die Kleider der Kelly Family". Sepp Herberger hingegen meinte "Die Spieler müssen auf dem Platz lachend umfallen".

Da habe ich mich immer gefragt, was das soll. Ein Trainer schrie und schreit wohl heute noch jeden Spieltag von der Seitenlinie aus an die Adresse seiner Spieler: "Lasst euch fallen". Andy Möller meinte einst: "Vom Feeling her habe ich ein gutes Gefühl". Matthäus wurde (wen wundert es?) in seinem weiteren Leben ins besonders von seinen Frauen selten richtig verstanden und stellte mal fest: Wir dürfen jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken“ und "ein Wort gab das andere - wir hatten uns nichts zu sagen". 

Hoffnungslosigkeit nie verloren
"Ich habe nie an unserer Chancenlosigkeit gezweifelt" gab Richard Golz mal zum Besten und Hans Meyer meinte "ich brauche die Spielstatistik. Sie weiss, was ich sage". Für Andreas Brehme war klar: "Das Unmögliche möglich zu machen ist ein Ding der Unmöglichkeit". Thomas Brdaric: "Ich habe nie die Verzweiflung verloren". Franz Beckenbauer: "Der Grund war nicht die Ursache, sondern der Auslöser".

Vogts Erkenntnisse und Komplimente
Auch Berti Vogts, der 419-mal für Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga auflief, kam zu einigen überraschenden Erkenntnissen: "Ich glaube, dass der Tabellenerste jederzeit den Spitzenreiter schlagen kann" und "die Breite an der Spitze ist dichter geworden". Für Vogts, den ehemaligen Bundestrainer (1990-98) und weiteren Stationen bei den Nati-Teams von Kuwait, Schottland, Nigeria und Aserbaidschan war auch klar: "Sex vor dem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts". Weiter stellte Vogts später mal fest, dass "die Kroaten sollen ja auf alles treten, was sich bewegt - da hat unser Mittelfeld ja nichts zu befürchten" und meinte mal: "Wir haben ein Abstimmungsproblem - das müssen wir automatisieren".

Vogts merkte mal, "das Spielfeld war zu lang für Doppelpässe" und bedankte sich anderweit wie folgt: "Kompliment an meine Mannschaft und meinen Dank an die Mediziner. Sie haben Unmenschliches geleistet".

Faire Brutalität
Fritz Walter Junior war damals nicht im Team von Vogts, bedankte sich aber mal wie folgt: "Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt". Und als Folge dieses Eingriffes? "Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind ein gutes Trio, äh, ich meinte: ein Quartett". Ob Fritz Walter Juniors Gegner Christian Beeck hiess ist nicht erwiesen. Dieser gestand allerdings mal: "Wir haben mit der notwendigen fairen Brutalität gespielt". Berti Vogts soll mal gesagt haben: "Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle soll man gemeinsam mit seiner Frau daheim im Wohnzimmer ausleben". Tiefgründig die Analyse von Franz Beckenbauer nach einem Spiel: "Die Schweden sind keine Holländer. Das hat man genau gesehen" und meinte später zu seiner Person: "Ich brauche jetzt kein Denkmal - da pinkeln sowieso nur die Hunde dran".  

Gedächtnislücken
Mit unter scheinen Fussballspiele bei den Beteiligten gewisse "geistige Verwirrungen und Gedächtnislücken" zu hinterlassen. "Die Köpfe müssen jetzt hochgekrempelt werden - und die Ärmel auch", fand Lukas Podolski. Miroslav Klose traf es mal besonders hart: "Es war sehr schmerzvoll, aber ich habe kaum etwas gespürt". Für Ricardo Zamora ist klar: "Fussball ist heute der kürzeste Weg ins Krankenhaus". "Man hetzt die Leute auf mit Tatsachen, die nicht der Wahrheit entsprechen, stellte einst Olaf Thon fest und für Bruno Labbadia war klar: "Das wird alles von den Medien hochsterilisiert". "Man darf jetzt alles nicht so schlecht reden wie es war" meinte Fredi Bobic zu einer Manöverkritik.

Vater Mutter und die Eltern
Einer, der nicht immer die richtigen Worte fand, war Toni Poster. "Das ist Wahnsinn! Da gibt's Spieler im Team, die laufen noch weniger als ich" und nutzte gleich die Gelegenheit zu einem Gruss: "Ich grüsse meinen Vater und meine Mutter und ganz besonders meine Eltern". Einer, der mit seinen Eltern nicht böse war, war Hansi Müller: "Es stört mich nicht, dass in Deutschland ein paar hunderttausend Wellensittiche 'Hansi' heissen".  

"Was mich in den letzten Tagen am meisten beschäftigt hat, ist meine Frisur, und die ist scheisse", so Mehmet Scholl zum Thema Eitelkeit im Fussball. Rudi Völler hingegen gestand: "Was meine Frisur betrifft, da bin ich Realist", verwechselte dann aber was bei der Aussage zu Rainer Calmund: "Ja gut, der arbeitet von morgens bis abends. Ja gut, sowas nennt man im Volksmund glaube ich Alcoholic".

Der absolute Höhepunkt
Schmerzhaft das Geständnis von Thomas Strunz: "Es ist ein Sehnenabriss am Schambeinknochen. Hört sich lustig an, ist aber trotzdem beim Fussball passiert". Und um diesen Fussballer ging es auch beim absoluten Höhepunkt, was 'belustigende' Traineraussagen betreffen. Die heitere Geschichte von Giovanni Trapattoni, in der zwei Tage (am 10. März 1998) nach der 0:1-Niederlage des FC Bayern München gegen Schalke 04, gehaltenen Pressekonferenz.

Ein Trainer ist nicht ein Idiot
"Trap" äusserste sich anfangs über die ungenügenden Leistungen von Mehmet Scholl und Mario Basler und kam dann auf besagten "Schambeinknochen-Verletzten" zu sprechen: "Ich habe erklärt mit diese zwei Spieler: Nach Dortmund brauchen vielleicht Halbzeit Pause. Ich habe auch andere Mannschaften gesehen in Europa nach diese Mittwoch. Ich habe gesehen auch zwei Tage die Training. Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sehen, was passieren in Platz. In diese Spiel es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer!“

Struuunz! Was erlauben Strunz
"Haben Sie gesehen Mittwoch, welche Mannschaft hat gespielt Mittwoch? Hat gespielt Mehmet, oder gespielt Basler, oder gespielt Trapattoni? Diese Spieler beklagen mehr, als sie spielen. Wissen Sie, warum die Italien-Mannschaften kaufen nicht diese Spieler? Weil wir haben gesehen viele Male solche Spiel. Haben gesagt, sind nicht Spieler für die italienische Meisters. "Struuunz! Strunz ist zwei Jahre hier, hat gespielt zehn Spiele, ist immer verletzt. Was erlauben Strunz?! Letzte Jahre Meister geworden mit Hamann, eh . . ., Nerlinger. Diese Spieler waren Spieler und waren Meister geworden. Ist immer verletzt! Hat gespielt 25 Spiele in diese Mannschaft, in diese Verein. Muss respektieren die andere Kollegen!"

Müde jetzt Vater diese Spieler
"Haben viele Kollegen, stellen sie die Kollegen in Frage! Haben keine Mut an Worten, aber ich weiss, was denken über diese Spieler. Müssen zeigen jetzt, ich will, Samstag, diese Spieler müssen zeigen mich, eh . . ., seine Fans, müssen alleine die Spiel gewinnen. Muss allein die Spiel gewinnen! Ich bin müde jetzt Vater diese Spieler, eh . . ., verteidige immer diese Spieler. Ich habe immer die Schulde . . . über diese Spieler. Einer ist Mario, einer, ein anderer ist Mehmet. Strunz dagegen, egal, hat nur gespielt 25 Prozent diese Spiel!... ..ich habe fertig!“

Und was meinte einst Uwe Seeler: "Das Schönste im Leben ist, normal zu sein". Giovanni Trapattoni, später in Salzburg: "Wörter sind sehr einfach. Wer kann machen, machen. Wer kann nicht machen, sprechen. Wer kann nicht sprechen, der schreiben".

So ringen mit beginnender Rückrunde auf- und neben, vor- und nach den Fussballspielen alle Beteiligten, ob Trainer oder Spieler, wieder nach erklärenden Worten. Wir hören hin und schreiben darüber – ihr regional-fussball.ch.

Heinz Minder (61), berichtet seit über 35 Jahren aus dem Amateurfussball mit Schwerpunkt Region Zürcher Oberland und Winterthur und im gleichen Zeitraum über Regional-Eishockey (Zürcher Oberland). Arbeitet hauptberuflich als Luftfracht-Agent in Logistikunternehmen und ist zuständig für Formel-1-Überseetransporte.

Letzte Änderung am Samstag, 13 Oktober 2018 11:12

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