Für SVH-Trainer Simon Roduner gab es nach dem Aufstieg noch eine Wassermelone.

"Wir werden das Wasser nicht wechseln mit welchem wir gekocht haben"

Für SVH-Trainer Simon Roduner gab es nach dem Aufstieg noch eine Wassermelone.

  • 2. Liga interregional
  • 17.06.2017
  • 11:09

Der SV Höngg kehrt in die 1. Liga zurück. Aufstiegstrainer Simon Roduner lässt die Saison nochmals Revue passieren und erinnert sich an schallende Ohrfeigen, Schlüsselmomente und verrät weshalb Fussball auf gutem Niveau auch ohne Geld geht.

Simon Roduner, wie war das Aufstiegsfest nach dem Spiel?
Es war einfach überwältigend und einzigartig! Ich wusste schon immer, dass sich in dieser Mannschaft so einiges verbirgt, aber was die Jungs da am Samstag-Abend-Nacht und Sonntag-Morgen veranstaltet haben wird für alle immer unvergesslich bleiben.

Sie erlebten ja immerhin vor fünf Jahren zum Abschluss ihrer Karriere im Spitzenfussball mit dem FC St. Gallen noch den Aufstieg in die Super League.
Das war im Vergleich ein Kindergeburtstag bei McDonalds.

Was war für sie der Schlüssel zum Aufstieg?
Ganz klar der Zusammenhalt und die Solidarität dieser Mannschaft. Wenn du dieser Mannschaft zuschaust dann wird dir schnell bewusst, dass das echte Freunde sind, die da draussen für ein gemeinsam Ziel kämpfen und dem fast alles unterordnen. Zudem denke ich, dass wir uns fussballerisch nochmals verbessert haben – so konnten wir die Spiele gegen spielstarke Mannschaften trotzdem meist dominieren und auch Spiele gegen sehr tiefstehende Mannschaften am Ende souverän gewinnen. Dies gab uns natürlich sehr viel Vertrauen.

Wann haben sie erstmalig daran gedacht dass ihr es definitiv packt?
Nach dem Spiel in Lenzburg. Wir haben überhaupt kein gutes Spiel gemacht aber trotzdem 4:0 gewonnen. Dabei haben wir drei Tore auf stehende Bälle erzielt. Wenn du ein solches sch* Spiel am Schluss so klar gewinnen kannst, dann zeigt mir das, dass du eine Spitzenmannschaft bist.

Gab es auch schwierige Momente oder sogar Zweifel eine zu sein?
Von denen gab es Einige. Wir haben uns als Mannschaft dieses Ziel letzten Sommer in der Vorbereitung gesetzt. Dann fährst du für das erste Meisterschaftsspiel ins Brügglifeld und bekommst vier Buden. Diese Niederlage war wie eine Ohrfeige und logisch hinterfragst du dich dann was dieses 0:4 wirklich zu bedeuten hat. Wirklich gezweifelt haben wir aber nicht, sonst hätten wir danach wohl kaum 15 Punkte aus den nächsten 5 Spielen geholt. Und dann war noch unsere Weihnachtsfeier im Dezember ...

Was war da so prägend?
Ich sprach zur Mannschaft und gratulierte ihr für eine tolle Vorrunde, welche mir unglaublich viel Freude und Spass bereitete. Nur Minuten danach haben sich unser Captain Michael Schreiner aufgrund seines Studiums in Lugano, den ans MIT in Boston ziehende Toni Forner, sowie Manuel und Luca Georgis aus schulischen und beruflichen Gründen verabschiedet. Alle diese Spieler hatten grossen Anteil an unserer erfolgreichen Vorrunde. Wir hatten bereits da kein 24-Mann-Kader und wenn du dann in der Winterpause vier solche Stützen verlierst dann fragst du dich natürlich wie du dies kompensieren kannst.

Brauchte es in diesem Moment auch Überzeugungsarbeit innerhalb des Teams?
Nein, Überzeugungsarbeit brauchte es nicht wirklich. Ich war sehr froh mit Raphael Von Thiessen und Gaël Baillergault zwei sehr wertvolle Spieler in der Winterpause zu verpflichten – diese wurden im Team auf Anhieb aufgenommen und wussten sehr schnell wie wichtig sie für diese Mannschaft sind. Je länger die Wintervorbereitung dauerte desto mehr gewann die Mannschaft Vertrauen, dass wir auch in der Rückrunde noch ein Wörtchen mitreden können.

Die Neuen nahmen sofort wichtige Rollen ein?
Enorm wichtige – viele kannten Raphael Von Thiessen bereits aus der Saison 2014/2015 und wir wussten genau was wir an ihm wieder gewinnen. Dass er dann nach fast zwei Jahren ohne Club-Fussball so schnell wieder den Tritt findet war erstaunlich. Was Gaël Baillergault betrifft, so einen habe ich noch nie erlebt. Bereits nach seinem ersten Training in der Wintervorbereitung war er für mich nicht mehr wegzudenken. Er war bei Schlieren ein unglaublich wichtiger Baustein und er war sich selber nicht ganz sicher ob er diese Position auch bei uns einnehmen kann. Umso mehr freue ich mich heute darüber wie schnell und gut er auch in unserer Mannschaft in diese Rolle schlüpfen konnte.

Trotzdem hatten sie ein Minikader. Dazu kam dass Farbod Izadyar früh ausfiel. Von aussen betrachtet wirkt es beachtlich. War da auch viel Glück dabei?
Auf jeden Fall. Nach den frühen Verletzungen von Hugo Soto im Trainingslager und Izadyar im Cupspiel vor dem ersten Rückrundenspiel haben wir mit Luca Bucher sowie Samuel Steiner zwei Jungs aus der 2. Mannschaft zu uns genommen – somit hatten wir ein 20-Mann Kader inklusive drei Torhütern. Auch dieses Kader mit den bereits zwei Langzeitverletzten war zu schmal um drei bis vier wichtige Teamstützen zu ersetzen. Der Fussball-Gott meinte es gut mit uns, sodass die Ausfälle gegen Ende dieser Rückrunde im Rahmen blieben.

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Ein Comeback von ihnen war da kein Thema? Sie sind ja erst 32 und doch noch ordentlich im Saft. Abgefallen wären sie wohl noch nicht?
Ich habe es mir mal im Trainingslager kurz überlegt und auch mit meinem Assistent Ivan Previtali besprochen – dann habe ich in einem internen Spiel 30 Minuten mitgespielt und konnte danach zwei Tage kaum laufen. Es passt also tip top so für mich – ich habe auch den Drang nicht mehr zu spielen.

Apropos Assistent - welche Rolle hatte Ivan Previtali?
Previ ist für mich eine sehr wichtige Komponente. Als ich ihn damals vor zwei Jahren gefragt habe, ob er es sich vorstellen könnte mir zu helfen wusste ich auch, dass er selber eigentlich den Anspruch hat, Cheftrainer zu sein. Selbstverständlich brauchten wir etwas Zeit um uns zu finden und auch auf dem Platz zu verstehen. Heute bin ich ihm extrem dankbar, dass er diese Herausforderung angenommen hat – ich könnte mir keinen besseren Assistenten vorstellen. Trotzdem hoffe und wünsche ich Ivan auch, dass er bald selber wieder eine Mannschaft führen wird. Darauf arbeitet er auch hin und sollte bis Ende Jahr das A-Diplom im Sack haben.

Unruhe gab es wohl auch zuweilen wegen der langen Unklarheit bzgl. ihrer Zukunft? Es rankten sich munter Gerüchte – auch um den möglichen Nachfolger ...
Klar war dies nicht die schönste Zeit, vor allem weil wir mit dem Team auf einer Erfolgswelle schwebten. Trotzdem möchte ich dies im Nachhinein nicht überbewerten. Es ist nun mal so dass im Fussball sehr viel geredet wird, zum Teil mit mehr zum Teil mit weniger Wahrheit dahinter. Fakt ist dass ich in diesem Frühling versucht habe meine Mannschaft innerhalb des Vereins stärker zu positionieren, sodass diese Mannschaft die Wertschätzung auch erhält welche sie verdient. Zudem bin ich selber sehr ambitioniert, dass es dann auch innerhalb eines Quartiervereins mal Reibungspunkte gibt ist aus meiner Sicht völlig legitim.

Rein von den Zahlen sticht euer junger Angreifer Pereira Da Costa heraus. Ist er zu halten?
Das werden wir sehen. Es geht mir nicht darum dass ich ihn halten will. Er hätte uns bereits in der Winterpause in etwelche Richtungen verlassen können. Es geht mir darum, dass wir mit ihm die bestmögliche Lösung finden werden. Patrick hat mir bereits letzten Sommer gesagt, dass er falls möglich irgendwann in naher Zukunft mal herausfinden will wie hoch seine fussballerischen Grenzen liegen. Ich denke hier nicht nur an unseren Erfolg als Mannschaft sondern auch an den Traum eines Spielers, welchem ich/wir sehr viel zu verdanken haben.

Sind für die kommende Saison in der 1. Liga schon Mutationen bekannt?
Farbod Izadyar wird uns in Richtung Red Star verlassen und Frédéric Pellet wechselt in die 2. Mannschaft. Dorthin gehen auch Luca Bucher und Samuel Steiner zurück. Als Zuzüge können wir bis jetzt Stefano Negrinelli vom FC Seefeld, Mihai Dragusin vom FC United Zürich und Kevin Novo vom FC Lenzburg bis anhin kommunizieren.

Es braucht aber sicherlich mehr Breite im Kader, oder?
Sicherlich. Deshalb hoffe ich auch dass wir bald noch in der Offensive die eine oder andere Verstärkung gewinnen können. Zudem braucht es meiner Meinung nach vor allem auch einen guten Mix aus Überzeugung und Demut. Wir werden das Wasser nicht wechseln mit welchem wir in der 2. Liga Interregional gekocht haben. Wir müssen aber auch wissen, dass nun ganz andere Partien anstehen werden und dass es für uns an jedem Wochenende ums "Überleben" gehen wird. Trotzdem, dahin wollten wir alle und nun haben wir es erreicht, jetzt heisst es zuerst mal den Sommer zu geniessen und dann Gas zu geben.

In der 1. Liga dürften die (finanziellen) Ansprüche von potenziellen neuen Spielern ja nicht geringer werden. Oder wie muss man sich vorstellen dass beispielsweise ein Negrinelli zum SVH wechselt. Er wird ja zuvor bei Seefeld nicht wegen der schönen Quartierlage aufgelaufen sein?
Das ist ein Spieler der die Leidenschaft für den Fussball in sich trägt, einer dem es in erster Linie darum geht, Fussball auf hohem Niveau zu spielen und dabei das für mich Elementare, das Team, an vorderster Stelle sieht. Ein solcher Spieler wird bei uns glücklich und kann aus diesem Team auch enorm viel Energie mitnehmen und einiges in seinen Rucksack packen was ihm auch für andere Aufgaben in diversen Lebenssituationen wieder helfen wird. Ein solcher Spieler versteht auch dass Fussball ohne Geld auf gutem Niveau funktioniert, wie auch andere Leidenschaften ohne Geld sehr gut funktionieren können ;) (Interview: dsc)

Letzte Änderung am Dienstag, 11 Juli 2017 17:24

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