"Wir müssen ein unbequemer Gegner bleiben"

"Wir müssen ein unbequemer Gegner bleiben"


  • 1. Liga
  • 08.11.2017
  • 17:51

Giovanni Gargiulo ist seit drei Jahren als Trainer zurück beim FC Red Star. Er spricht über die Integration von jungen Spielern, seine Rolle als Coach und darüber wie sich die 1. Liga in den letzten zehn Jahren verändert hat.

Giovanni Gargiulo (Bild), letzte Saison spielte der FC Red Star in der 1. Liga lange vorne mit. In der zweiten Saison rangiert der Club etwas weiter unten in der Tabelle. Was hat sich verändert?
Wir stehen dieses Jahr mit fast gleich vielen Punkten da, wie zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr. Von der viel zitierten schwierigen zweiten Saison nach dem Aufstieg halte ich nichts. Mindestens solange, bis es eine verlässliche Statistik dazu gibt. Der FC Red Star hat das Ziel und hat den Anspruch in dieser Spielklasse zu spielen unabhängig in welchen 1.-Liga-Jahr wir gerade sind. Die wirklich "schwierige" Aufgabe ist, diese Anforderung Jahr für Jahr zu bewältigen.

Mit Babic, Spasojevic und Fabbricatore haben drei Stammspieler den Verein im Sommer verlassen. Welchen Einfluss hatte das aus Sicht des Trainers?
Da ging viel Erfahrung weg, zudem sind alle drei Leadertypen im Match und im Training. Sie waren voll in unserem Verein integriert. Solche Spieler lässt kein Trainer gerne gehen. Getreu der Red-Star-Philosophie haben wir unser Kader mit Jungs ergänzt, die unsere Werte und Ansprüche zu schätzen wissen. Diese Strategie verfolgen wir seit Jahren. Zum einen haben wir zwei Spieler aus unserer 2. in die 1. Mannschaft befördert, weitere haben wir aus unteren Ligen ausgewählt.

Welches ist der grosse Unterschied zwischen der 1. Liga und 2. Liga interregional?
Der Fussball geht in der 1. Liga wesentlich deutlicher in Richtung Spitzenfussball. Es gibt dort ausschliesslich Spieler, die in allen Bereichen talentierter sind, was in der Interregio teilweise noch nicht der Fall ist. Dazu kommen zahlreiche Fussballer, die über Erfahrungen aus höheren Ligen verfügen. Bei Bellinzona hat es sogar Spieler, welche in der Europa League gespielt haben.

Sie gelten als kommunikativer Typ, der sich gerne mit anderen Trainern austauscht, auch wenn es Kontrahenten in der selben Spielklasse sind. Geht das auch in der 1. Liga noch?
Da findet immer noch ein Austausch mit einigen Trainern statt. Klar spreche ich nicht mit jedem gleich viel über Fussball. Dennoch finde ich es sehr interessant mit meinen Trainerkollegen über unseren Sport zu philosophieren. Schliesslich beschäftigen wir uns mit den gleichen Inhalten. Von diesen Gesprächen profitiere ich persönlich viel.

2007 schnupperten Sie als Trainer des FC Küsnacht zum ersten Mal 1.-Liga-Luft. Wie hat sich die Liga in diesen zehn Jahren verändert?
Die Liga war schon damals stark. Seit der Einführung der Promotion League (2013/14) ist das Niveau mit grosser Wahrscheinlichkeit nochmals einen Tick besser geworden. Einige Spieler, die in der Promotion League wenig zum Einsatz kommen, landen in der 1. Liga. Aus meiner Sicht ist der Hauptgrund, dass viele Vereine der 1. Liga unbedingt in die Promotion League wollen und darum in allen Bereichen viel investieren. Insgesamt ist der Level sehr anspruchsvoll.

Ausserdem darf man nicht vergessen, dass alle Trainer gut ausgebildet sind. Der Standard der Spieler ist auf physischer, technischer sowie mentaler Ebene beachtlich.

Sie kamen 2009 zu Red Star, mussten später Gabor Gerstenmaier weichen und wurden dann gewissermassen vom Verein zurückgeholt. Das muss eine emotionale Achterbahnfahrt gewesen sein.
Richtig... Das war vor allem emotional eine schwierige Situation für mich. Ich musste "mein" Team verlassen. Selbstverständlich habe ich die Entscheidung der Vereinsführung stets akzeptiert und respektiert.

Vielleicht war genau dies der Grund, weshalb man mich zurückholte. Die Verantwortlichen hatten offenbar das Vertrauen, dass sie mit mir den lang ersehnten Aufstieg realisieren können.

Für Sie als Innenarchitekt ist Stil ein wichtiges Element. Wie beschreiben Sie Ihren Stil als Trainer?
Tatsächlich finde ich es kein Nachteil, wenn man viele Lebenslagen mit Stil bewältigt. Von mir, meinem Staff und meinen Spielern erwarte ich eine gegenseitige hohe Qualität an ehrlichem und respektvollem Umgang. In Bezug auf den fussballerischen Stil möchte ich, dass die Spieler gewisse Basics diszipliniert umsetzen. Technisch/taktisch erwarte ich, dass sie den Ehrgeiz, die Ambition haben, sich stetig weiter zu entwickeln. Diese Aspekte entscheiden, ob meine Spieler das Spiel spielen können, das sie letztendlich wollen. (Interview: Marco Huber)

Letzte Änderung am Mittwoch, 08 November 2017 18:40