Birmensdorfs mutige Kursänderung zurück zu den Wurzeln

Birmensdorfs mutige Kursänderung zurück zu den Wurzeln


  • 3. Liga
  • 01.12.2017
  • 04:27

Mit null Punkten steht der FC Birmensdorf auf dem letzten Rang der Drittliga-Gruppe 1 und stellt damit sportlich gesehen die schlechteste Mannschaft der gesamten Liga. Der Misserfolg hat jedoch sowohl seinen Grund als auch seine positiven Seiten.

Im vergangenen Sommer leiteten die Verantwortlichen des FC Birmensdorf nach dem verpassten Aufstieg in die 2. Liga einen radikalen Umbruch ein. Die komplette Mannschaft inklusive des Trainerduos wurde durch das Team der A+-Junioren ersetzt. Aktuell steht kein Akteur der vergangenen Saison mehr im Kader des FCB, dafür der gesamte eigene Nachwuchs, welcher grösstenteils 19 Jahre alt oder jünger ist.

Finanzielle Gründe
Sportlich gesehen hat sich der Umbruch nicht gelohnt: Birmensdorf verlor alle elf Hinrundenpartien und steht aktuell mit null Punkten und einem Torverhältnis von 8:55 abgeschlagen auf dem Schlussrang.

Den Tiefpunkt erreichte der FCB im abschliessenden Vorrundenspiel mit der 0:3-Forfaitniederlage gegen Kilchberg-Rüschlikon. Birmensdorf hatte offenbar versucht, die Partie aufgrund von Personalknappheit zu verschieben. Allerdings zu kurzfristig, wie Willy Scramoncini, Leiter der Abteilung Spielbetrieb beim FVRZ, bestätigte.

Warum also, muss man sich unweigerlich fragen, hat sich der FC Birmensdorf vor einem knappen halben Jahr zu diesem Schritt entschieden? Der Hauptgrund für die komplette Neuausrichtung war das Ziel, die Kosten im Verein zu reduzieren. Am meisten ins Geld ging in der Vergangenheit der Lohn für das Trainerduo. "Ein 3.-Liga-Trainer verdient zwischen 18'000 und 23'000 Franken pro Jahr", äusserte sich Vereinspräsident Roger Gemperle gegenüber der "Limmattaler Zeitung".

screenshot www.fvrz.ch 2017 12 01 11 00 30Lokale Verbundenheit stärken
Jetziger Trainer der ersten Mannschaft ist der ehemalige A-Junioren-Coach Hèlder. Der 39-Jährige kennt seine Spieler schon seit Jahren, verrichtet seine Aufgabe nach eigenen Angaben primär aus "Herzblut" und verdient deutlich weniger als seine Vorgänger.

Und auch der Spielerkader ging ins Geld. Zwar wurden keine direkten Spesen an die Spieler entrichtet, doch genossen die Akteure andere Vorzüge, die ins Geld gingen. Auch das hat sich mit dem kompletten Umbruch geändert. Insgesamt spart der Verein durch die Massnahmen etwa 15'000 Franken – bei einem Vereinsbudget von total 170'000 Franken ein nicht unwesentlicher Betrag.

Die Gründe waren allerdings nicht nur finanzieller Natur. Man wollte wieder mehr Eigengewächse im Fanionteam haben, damit die Verbindung zum Wohnort stärken und somit auch wieder stärkere Beziehungen mit lokalen Sponsoren pflegen. Dieses Vorhaben war bereits von ersten Erfolgen gekrönt. "Wir konnten mehr Sponsoren finden und es gibt auch Supporter, die sagen, 'so sind wir auch mal wieder bereit, etwas zu zahlen und euch zu helfen' ", so Gemperle.

Mannschaft zieht mit
Selbstverständlich gebe es auch Einzelpersonen, die mit dem neuen Kurs nicht einverstanden wären, im grossen Ganzen sei die Zustimmung aber enorm breit. Und auch die Mannschaft, obwohl abgeschlagen letzter, zieht laut Trainer Hèlder weiter gut mit: "Ich bin stolz auf meine Jungs. Sie geben auf dem Platz alles. Wir verlieren nicht so hoch, die Resultate sind zeitweise knapp." Und auch Gemperle stimmt zu: "Das Auftreten der Mannschaft macht mir Freude. Die Jungs spielen fair."

Es dürfte seine Zeit in Anspruch nehmen, bis die sportljche Neuausrichtung seine Früchte trägt. Auch Gemperle gibt zu bedenken, dass mit diesem neuen Kurs ein möglicher Abstieg in Kauf genommen werden müsse. Es scheint also so, als sei man in Birmensdorf nach diesem mutigen Schritt auch bereit, mittelfristige Misserfolge in Kauf zu nehmen, um dafür langfristig das Fundament für einen gesunden Verein zu schaffen. (oa)

Letzte Änderung am Freitag, 01 Dezember 2017 11:37