Männedörfler Trainer und Topskorer: Mike Koller und Nico Bochicchio.

"Wir müssen an unseren Automatismen arbeiten"

Männedörfler Trainer und Topskorer: Mike Koller und Nico Bochicchio.

  • 2. Liga
  • 03.12.2017
  • 12:20

Der FC Männedorf ist nach der Rückkehr in die 2. Liga mit bisher 17 gewonnenen Punkten auf Kurs. Im Doppelinterview sagen Trainer Mike Koller und Topskorer Nico Bochicchio was die Männedörfler Mannschaft auszeichnet und was für sie nach der Winterpause noch drin liegt.

Zur Winterpause steht der FC Männedorf auf Zwischenrang 8. Zufrieden?
Nico Bochicchio: Wir können mit unserer Leistung insgesamt zufrieden sein, müssen aber auch einsehen, dass wir einige Punkte unnötig haben liegen lassen. Wir stehen besser da als noch nach dem ersten Aufstieg in die 2. Liga vor zwei Jahren.
Mike Koller: Es wäre sicher in einigen Spielen mehr drin gelegen. Wichtig aber ist, dass wir mit allen Mannschaften mithalten konnten. Unser Ziel war es regelmässig zu punkten. Das haben wir erreicht. Zudem sind wir nach Niederlagen nie in eine Negativspirale gelangt.

Ist die Mannschaft stärker als in der Aufstiegssaison?
Bochicchio: Schwer zu sagen. Der Konkurrenzkampf ist grösser, was die Mannschaft stärkt. Ausserdem wage ich die Behauptung, dass deshalb die Trainingspräsenz höher ist.

Wo gibt es Baustellen?
Koller: Ganz eindeutig in der Offensive. 16 Tore aus 13 Spielen sind zu wenig. Daran gilt es gezielt zu arbeiten. Die Mannschaft wird während der Wintervorbereitung nochmals reichlich Zeit erhalten, sich diese Automatismen im Angriffsspiel anzuzeigen.

Wie lange hat es gedauert bis sich das Team mit einigen Zuzügen gefunden hat?
Koller: Für mich war es Neuland, eine Aktivmannschaft zusammenzustellen. Dies ist uns aber meiner Meinung nach gemeinsam mit Nils Pomey (Sportchef) und dem Staff ganz gut gelungen. Zudem habe ich während der Vorbereitung viele Einheiten geplant, so dass die Spieler genügend Zeit hatten, meine Spielphilosophie zu verinnerlichen.

Wie sieht diese taktische Leitlinie aus?
Es gibt im Fussball zwei Spielphasen: eine mit Ball und eine ohne Ball. Wir wollen Ballbesitz-orientierten Fussball spielen. Wir wollen das Spiel gestalten, Chancen kreieren. Nichtsdestotrotz steht am Ende des Tages dann aber doch das Resultat im Vordergrund; deshalb gilt es gewisse Spielanlagen je nach Gegner etwas anzupassen.

Wie ist Mike Koller als Trainer?
Bochicchio: Er ist ein strenger Trainer. Das meine ich aber durch und durch positiv. Das tut unserer Mannschaft gut (schmunzelt). Mike hat ein grosses Fussballverständnis und kann mit allen Spielern gut umgehen.

Nico Bochichio ist nur einer von vielen Spielern die direkt aus dem FCM-Nachwuchs kommen. Wie gut ist die Juniorenabteilung des FCM?
Koller: Die Juniorenabteilung war ein wesentlicher Aspekt für mich, als ich mit dem FC Männedorf über den Trainerposten verhandelt habe; denn in den letzten zehn Jahren war ich im Juniorenspitzenfussball (FCRJ und LFV) tätig und arbeite sehr gerne mit jungen Spielern zusammen. Mit einem Durchschnittsalter von 24,2 Jahren haben wir ein junges Teammit einigen jungen Eigengewächsen. Das spricht für die Juniorenabteilung des Vereins. Diese Entwicklung muss aber weitergehen. Auch im Winter sind wir bestrebt, A-Junioren in die Mannschaft zu integrieren, die diesen Sprung machen wollen. Die Leistungskultur, die wir haben, setzt das voraus und muss gelebt werden.

Welches ist Nico Bochicchio's Stellenwert für die Mannschaft?
Koller: Die Zahlen alleine sprechen für ihn: Nico hat zehn von 16 Toren erzielt. Er ist für unsere Offensive unverzichtbar. Aber auch für das Teamgefüge ist er das. Nico ist zu einem Führungsspieler gereift. Es gibt aber auch andere Spieler wie beispielsweise Yannick Schneeberger, die sich in dieser Mannschaft hervorgetan und Führungsrollen übernommen haben.

Was ist in der 2. Liga Gruppe 1 anders als noch vor zwei Jahren?
Bochicchio: Die Gruppe ist so kompakt und ausgeglichen wie schon vor zwei Jahren. Man kennt sich untereinander, das macht es interessant. Es ist Vieles möglich.

Welches Potenzial hat die Mannschaft in der Rückrunde?
Bochicchio: Mein Ziel ist es, nochmals mindestens gleich viele Punkte zu errreichen wie in der Vorrunde.
Koller: Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden; das ist das oberste Ziel. Wenn wir dort anknüpfen, wo wir aufgehört haben und weiter regelmässig punkten, dann werden die Zuschauer auf dem Widenbad weiterhin grosse Freude am FCM haben. Nichts desto trotz wird es wichtig sein, dass wir aus den Fehlern der Vorrunde lernen und im Offensivspiel einen Schritt weiterkommen.

Welche Fehler waren das?
Wir haben teilweise individuelle Fehler begangen, Bälle unnötig verloren, sind in Konter gelaufen oder haben uns - wie auswärts gegen den FC Wädenswil (0:6) nach einem Rückstand falsch verhalten, das Anschlusstor krampfhaft gesucht und wurden knallhart dafür bestraft.

Winterzeit ist Wechselzeit. Schaut ihr darauf, welcher Gegner welche Zuzüge und Abgänge andere Vereine verzeichnen oder lässt einem das komplett kalt?
Bochicchio: Micht interessiert es nicht, was rund um unsere Gruppengegner geschieht. Wir müssen uns auf unsere Vorbereitung und auf die eigene Leistung konzentrieren.
Koller: Als Trainer habe ich da schon eher ein Auge drauf, vor allem dann, wenn es um Spieler geht, die auch bei uns auf dem Radar stehen...

Klingt nach Wechseln in den eigenen Reihen.
Wir sind in Gesprächen, um die Mannschaft punktuell verstärken zu können. Dazu werden wir den einen oder anderen Nachwuchsspieler in den Kader aufnehmen. Demgegenüber wird der eine oder andere Abgang stehen; der Verein wird diesbezüglich sicher baldmöglichst kommunizieren.

Zunächst folgt nun einmal die Pause. Wie schaltet ihr vom Fussball ab?
Bochicchio: Ich verreise bald für einen Monat nach Dubai, Hongkong und Indonesien. Danach wartet schliesslich eine harte Vorbereitung auf uns.
Koller: Genau, schau, dass du im Koffer noch Platz für deinen Trainingsplan vom Kondi-Trainer hast (lacht).. Ich werde in nächster Zeit vermehrt Zeit mit meiner Frau und meinen zwei Kindern verbringen, worauf ich mich sehr freue. Vielleicht besuche ich aber auch noch das eine oder andere Spiel. Dann steht noch ein Besuch bei Arno Del Curto an, worauf ich mich sehr freue. Ich hoffe, da das eine oder andere aus der doch etwas anderen Hockeywelt mitnehmen zu können; vor allem natürlich in Sachen Mentalität. Danach geht es bald los mit der Vorbereitung, damit der FC Männedorf auch rechtzeitig bereit ist, um eine starke Rückrunde hinzulegen. (Interview: Marco Huber)

Letzte Änderung am Montag, 04 Dezember 2017 10:51