"Die Trainingsqualität ist entscheidend verbessert worden"

"Die Trainingsqualität ist entscheidend verbessert worden"


  • Junioren
  • 18.01.2018
  • 15:02

Seit zwei Jahren engagiert sich Marco Bernet wieder für den FC Küsnacht. Der frühere Technische Leiter und Gründer der Letzikids beim FCZ über die Unterschiede im Breiten- und Spitzenfussball, Ehrenamtlichkeit und die Zukunftsaussichten seines Stammvereins.

Marco Bernet (Bild), nach ihrer jahrelangen Zeit beim FC Zürich sind sie Anfang 2016 zum FC Küsnacht, ihrem Stammverein zurückgekehrt. Welches waren ihre Argumente für diesen Schritt?
Die Kontaktnahme entstand durch Heinz Gross und Peter Wild mit der Zielsetzung, die Ausbildungsqualität innerhalb des Vereins aufzuwerten. Aufgrund meiner damaligen freien Kapazität sagte ich zu. Zudem ist mir der FC Küsnacht und sein Umfeld ja bestens bekannt. Wir haben ein Angestelltenverhältnis auf Mandatsbasis vereinbart, was meine 2014 gegründete Firma auch anbietet.

Welches sind in ihrem Aufgabenbereich die grössten Unterschiede zwischen einem führenden Verein der Schweiz und einem Regionalklub?
Ein Breitenfussballklub in der Grösse des FC Küsnacht muss sehr gut aufgestellt und organisiert sein, um den enormen Herausforderungen im sportlichen, aber vor allem im sozialen Bereich gerecht zu werden. Die Form der Ehrenamtlichkeit stösst dabei in allen Bereichen an seine Grenzen. Es sind kaum noch Leute zu finden, die sich engagieren wollen oder können. Es geht viel Kraft in die Aufrechterhaltung der Strukturen und deren Qualität verloren. Ein Profiverein hingegen konzentriert sich primär auf die Ausbildung und Entwicklung seiner Talente im Spitzenfussball auf nationaler und internationaler Ebene. Die Struktur ist in allen Leistungsstufen finanziert und entsprechend professionalisiert und man kann mit ausgebildetem Personal konstant gut arbeiten. Selbstverständlich besteht auch ein grosser Unterschied auf dem Spielfeld. Es ist schon ein wesentlicher Unterschied, ob man es mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, die aus reinem Spass Fussball spielen wollen, oder ob man die besten Talente der Region oder gar des Landes unter seinen Fittichen hat. Ich muss mir das immer wieder vor Augen führen.

Welche strategischen Einflüsse konnten sie bis anhin im FCK einbringen?
Ich konnte mithelfen, ein funktionales Organigramm zu erstellen, das breiter abgestützt ist als vorher. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, aber auf gutem Weg. Zudem wurde ein neues und ergänzendes Ausbildungskonzept ausgearbeitet und ist in einem längeren Findungsprozess nun Ende 2017 definitiv in Kraft getreten. Die Trainingsqualität und auch die Qualität der Trainer ist dadurch entscheidend verbessert worden.

Wie beurteilen sie die Zukunftsaussichten des FC Küsnacht?
Dies ist abhängig vom Vorstand und den zur Verfügung stehenden Mitteln. Der Verein muss die vertiefte Ausbildungspolitik weiterhin konsequent verfolgen. Das vorhandene Potenzial sollte genützt werden, um die entgangene Vormachtstellung in der Region wieder erlangen zu können. Wenn der FCK in der Lage ist, das eingeschlagene Ausbildungskonzept auch in Zukunft zu verfolgen, könnte in etwa 5-10 Jahren Kapital daraus geschlagen werden. Dazu ist aber ein grösseres Aufgebot an ehrenamtlichen Hilfskräften aus dem FCK erforderlich.

An welche Ereignisse im FC Küsnacht können sie sich am ehesten erinnern?
An die Juniorenzeit generell, aber auch an die Aktivzeit mit vielen prägnanten, menschlichen Charakteren. Da fällt mir in erster Linie Gusti Lenart (FCK-Trainer 1980-1985) mit seinem ausgeprägten Leistungsaspekt ein. Er hat mir in Bezug auf Fussball in vielen Dingen die Augen geöffnet. Dazu aber auch die vielen, geselligen Skiweekends in Sarn mit unseren Kindern. Ebenso die legendären FCK-Chlausabende im Limberg, wo regelmässig Top-Bands auftraten. Der Gewinn des Trofeo Mexico 2001 auf der Sportanlage Förrlibuck, als wir die ehemaligen Nationalspieler von GC und Lugano austricksten. Und natürlich die Zeit im FCK-Vorstand unter Präsident Dani Sommer, als wir die Entschädigungspolitik in der ersten Mannschaft wegen der Überschuldung des Vereins ändern mussten und in der Folge den Abstieg der ersten Mannschaft bis in die 4. Liga zu akzeptieren hatten. Dieselbe Mannschaft schaffte dann aber den Turnaround und stieg sukzessive in 2-Jahresschritten wieder auf bis in die 1. Liga. Zum Schluss war ich allerdings schon nicht mehr im Verein.

Welches sind ihre sportlichen Ziele für die nähere Zukunft?
Mit bald 60 Jahren auf dem Buckel sind die sportlichen Ziele überschaubar, ich würde aber schon gerne noch einige Jahre auf dem Fussballplatz verbringen, vor allem als Fussball-Instruktor. Ich würde auch höhere Ziele und Angebote nicht ausschlagen. Durch meine Firma bin ich im Fussballgeschehen immer noch sehr präsent.

Wie sehen ihre privaten und beruflichen Pläne aus?
Es ist eine spezielle Herausforderung, mit der Lebenspartnerin auch beruflich zusammenzuarbeiten. Wir beide sind in der glücklichen und aussergewöhnlichen Lage, mit dem Sport unseren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Das ist schon ein Privileg, das ich ausserordentlich schätze. (Interview: Marcel von Allmen)

Das Interview ist zunächst auf der Website des FC Küsnacht (fck.ch) erschienen.

Zur Person:

Geburtsdatum: 28. April 1958
Zivilstand: Verheiratet, 2 erwachsene Kinder aus früherer Ehe
Beruf: Sportfunktionär, Fussball-Trainer, erlernte Berufe Hochbauzeichner & Desktop-Designer
Fussball-Karriere & Vereine: FC Madretsch-Biel, FC Küsnacht, FC Herrliberg, FC Zürich. 

Letzte Änderung am Freitag, 19 Januar 2018 08:43

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