Seit 2015 wieder in Diessenhofen: Ende Saison soll aber für Roland Frei Schluss sein.

"Die Leute sammelten Unterschriften, um sich mit mir zu solidarisieren"

Seit 2015 wieder in Diessenhofen: Ende Saison soll aber für Roland Frei Schluss sein.
FC Diessenhofen/Facebook

  • 2. Liga
  • 26.01.2018
  • 09:18

Roland Frei gilt im Schaffhauser Fussball als Legende. Der 69-Jährige trägt seinen Anteil daran, dass sich der kleine FC Diessenhofen in der höchsten Regionalliga etablieren konnte.

Im Sommer 2016 kehrte der FC Diessenhofen nach 40 Jahren in die 2. Liga zurück. Was hat sich am Hochrhein seither sportlich verändert?
Wir hatten seither einige Abgänge die berufsbedingt erfolgten. Diese mussten wir erst einmal kompensieren, was für den vergleichsweise kleinen FC Diessenhofen nicht immer leicht ist. Generell würde ich sagen, dass es gegenüber früher mehr Wechsel gibt. Früher kam es sogar vor, dass Spieler von den Vereinen für Übertritte in der laufenden Saison gesperrt wurden.

Der Aufstieg war ja damals auch speziell, weil derselbe Trainer an der Seitenlinie stand wie damals in den 1970er-Jahren beim Abstieg in die 3. Liga...
Ja, allerdings bin ich in den 70er-Jahren auch als Spieler mit Diessenhofen aufgestiegen. Der FCD war danach meine allererste Trainerstation und der Abstieg deshalb umso bitterer. Dies war im Übrigen der einzige Abstieg meiner Karriere.

In Ihrer Karriere hatten Sie ja immer mal wieder mit prominenten Fussballgrössen zu tun...
Das stimmt. Beim FC Frauenfeld habe ich Pascal Zuberbühler als junger Torhüter in die erste Mannschaft genommen. "Zubi" hatte zuvor so gut wie kein Goalietraining durchlaufen. So gesehen grenzt es an eine Sensation, dass er es so weit gebracht hat. Beim FC Schaffhausen trainierte Spieler wie Stephan Lehmann, Rolf Fringer oder einen gewissen Roberto di Matteo. Wenn ich daran denke, was diese Spieler alles erreicht haben, macht mich das schon ein wenig stolz.

Ihre Entlassung als Trainer des FC Schaffhausen löste 1988 einen Volksaufstand aus. Wie kam es dazu?
Nach dem verlorenen Cup-Final gegen GC, verliessen mehrere Spieler den FC Schaffhausen. Sie waren zuvor natürlich im nationalen Schaufenster gestanden und entsprechend begehrt. Torhüter Stephan Lehmann etwa wechselte danach zum FC Sion in die Nationalliga A. Ich ahnte, dass es kommende Saison schwierig werden würde, weil fast ausschliesslich 1.-Liga-Spieler zu uns stiessen. In der Nationalliga B erwischten wir einen denkbar schlechten Saisonstart, worauf mir der Präsident den Rücktritt nahelegte. Das kam bei den Schaffhausern jedoch überhaupt nicht gut an. Auf dem Stadtmarkt sammelten Leute sogar Unterschriften, um sich mit mir zu solidarisieren.

Sie werden oft als Legende des Schaffhauser Fussballs bezeichnet. Wie gehen Sie damit um?
Dies höre ich immer wieder. Ich gehe offen damit um, auch weil ich, der gleiche geblieben bin, der ich früher war. Ich glaube, dass ich stets auf dem Boden geblieben bin. Deshalb habe ich noch heute auch zu den meisten Leuten, denen ich auf der Strasse begegne, einen guten Draht – in Diessenhofen habe ich das als gebürtiger Diessenhofer ohnehin.

Nun sind Sie wieder beim FC Diessenhofen im Amt. In der Saison nach dem Aufstieg belegte der Club den sechsten Rang, zur Winterpause steht man wieder an dieser Stelle. Wie ist es möglich, dass ein Club aus einem 3600-Einwohner-Städtchen sich in der höchsten Regionalliga hält?
Der Verein profitiert natürlich davon, dass wir in der Gegend einige sehr talentierte Spieler haben, die einen Bezug zum FC Diessenhofen haben. Es gibt manche Spieler, die zwar nicht mehr im Städtchen wohnen, jedoch weiterhin für den Verein spielen wollen.

fotogalerie

Bildarchiv: Bruno & Eric Bührer, Anton J. Geisser, Felix Widler, Hansruedi Keller, Keystone


In der Region um Schaffhausen und im Zürcher Weinland gibt es einige Vereine, die 2. Liga oder 3. Liga spielen. Kommt es da nicht zwangsweise zu einer Kannibalisierung unter den Clubs?
Sicher weniger als im Raum Zürich oder Winterthur. Hier in der Region Schaffhausen wechseln die Spieler nicht so häufig den Verein. Vielleicht haben einige Clubs aber auch einen Wandel durchgemacht. Das sieht man zum Beispiel anhand des FC Beringen: Der Verein zahlt längst keine Spesengelder mehr an die Spieler aus wie noch in der 2. Liga interregional. Es ging da aber um kleine Beträge.

Momentan spielen einzig die Reserven des FC Schaffhausen in der Interregio...
Ja, wir sind im Moment die Nummer zwei in der Gegend und dies obwohl wir nur zwei Mal pro Woche trainieren. Ein drittes Training wäre in unserem Fall gar nicht möglich, weil viele meiner Spieler noch eine Ausbildung absolvieren.

Gibt es denn in der Region überhaupt für einen zweiten Verein das Potenzial, den Sprung in die Interregio zu schaffen?
Finanziell ist dieser Schritt schon gross. Geht ein Verein in die 2. Liga interregional, ist er automatisch auf neue Sponsorengelder angewiesen, alleine um die weiten Reisen zu finanzieren. Solche zusätzlichen Gelder zu akquirieren, wäre in Diessenhofen sicher schwierig. Deshalb zahlt der FCD auch keine Entschädigungen und auch das Trainingslager müssen die Spieler zur Hälfte selber übernehmen. Langfristig sehe ich eher die Spielvereinigung Schaffhausen oder tatsächlich wieder den FC Beringen in der 2. Liga interregional.

Im Sommer haben Sie zwei Spieler aus der Juniorenabteilung nachgezogen. Wie beurteilen Sie die Arbeit im FCD-Nachwuchs generell?
Sie verläuft im Moment nicht optimal, weil wir keine A-Junioren haben. Es ist aber immer mal wieder möglich, einen B-Junioren frühzeitig in die Aktiven zu holen. In den unteren Kategorien verfügen wir glücklicherweise über einige Talente.

Sie haben einen Einjahresvertrag. Wie lange wollen Sie noch weitermachen?
Ich werde definitiv im Sommer als Trainer aufhören. (Interview: Marco Huber)

Zur Person: Roland Frei prägt den Schaffhauser Fussball seit einem halben Jahrundert. Er ist in Diessenhofen aufgewachsen. Im Städtchen am Hochrhein kam er auch zum ersten Mal mit Fussball in Kontakt. Mit 21 Jahren zog es Frei nach Schaffhausen, wo er bis vor einem Jahr auch wohnhaft blieb. In den 70er-Jahren stieg er als Spieler mit dem FC Diessenhofen in die 2. Liga auf. Der FCD war später auch Freis erste Station als Trainer. In seiner ersten Saison an der Seitenlinie musste er jedoch gleich den Abstieg hinnehmen. Seinen grössten Erfolg als Trainer erlebte Frei beim FC Schaffhausen, mit dem er 1988 nach einem Sieg über YB im Cup-Final stand (siehe Video). Dort unterlag die Nationalliga-B-Mannschaft dem haushohen Favoriten, Grasshoppers, mit 0:2. Mitte der Neunziger Jahre war Frei nochmals beim FCS engagiert, dieses Mal allerdings als Technischer Leiter.

Stationen als Spieler: FC Diessenhofen (bis 1968), FC St. Gallen Reserven (1968–1969), FC Uster (1. Liga, 1969–1970), FC Frauenfeld (1. Liga, 1970–1971), FC Schaffhausen (1. und 2. Liga, 1972–1974), FC Beringen (2. Liga, 1975)
Stationen als Trainer: FC Diessenhofen (1976), SV Jestetten (1976–1982), FC Neuhausen (1982–1986), FC Schaffhausen (NLB, 1986– 1988), FC Frauenfeld (1989–1991), FC Beringen (1992–1993), Technischer Leiter FC Schaffhausen (1994–1995), FC Beringen (1996–1998), SC Schaffhausen (1999–2001), VFC Neuhausen (2003), FC Neunkirch Frauen (2014–2015), FC Diessenhofen (seit 2015) 

Letzte Änderung am Dienstag, 30 Januar 2018 07:07

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