Das nächste Tor entscheidet

Das nächste Tor entscheidet


  • Grottenkick
  • 12.08.2014
  • 10:10

Endlich: Der Start auf den Regionalfussballplatzen steht an. Und mit ihm treten – wie fast jede Saison – Regeländerungen in Kraft.

Wie schon vor ein paar Jahren, bei der Einführung der sogenannten Strafpunkteregel, ist der Fussballverband Region Zürich (FVRZ) wieder einmal in Reformlaune. Das freie Ein- und  Auswechseln habe sich in der 4. und 5. Liga bewährt. Warum also nicht auch gleich in der 3. Liga anwenden?



Die Aufregung in Regionalfussballkreisen war gross. Durch die Änderung würde der 3.-Liga-Leistungsfussball zum Grümpelturnier degradiert, heisst es von den Gegnern der neuen Regel. Nicht wenige Trainer fürchten sich einer Flut von Ein- und Auswechslungen.

Blockweise ein- und auswechseln üben
Einige wenige erhoffen sich von der Regeländerung soziale Vorteile. "Die Regel ermöglicht es, einem Spieler, der sonst nicht viel zum Einsatz kommt, Wertschätzung zu zeigen", sagte beispielsweise ein Drittliga-Trainer aus dem Zürcher Oberland. Und der FVRZ führt taktische und Fairplay-Argumente ins Feld. Gemäss bösen Zungen sollen an den Fortbildungskursen auf dem Dürrbach bereits schon Eishockeycoaches den Fussballtrainern Tipps im blockweisen Ein- und Auswechseln vermittelt haben.



Nun ja. Auch die Fifa denkt ja in diese Richtung. Der Weltverband zieht zumindest einen vierten Auswechselspieler in Betracht. Allerdings erst in der Verlängerung eines K.-o.-Spiels. Ob er sich da Rat beim FVRZ eingeholt hat?

Doch auf dem Zürichberg gab es schon viel revolutionärere Ideen, die jedoch bereits in der Vernehmlassung gescheitert sind.

So der Einschuss – er kam bei Tests der Fifa an Stelle des Einwurfs zur Anwendung. Ein deutscher Privatsender wünschte sich in den Neunziger Jahren Viertelpausen statt eine Halbzeit um zusätzliche Werbegelder zu generieren und sogar die sogenannte "kurze Ecke" war als Alternative des Eckballs einmal ein Thema. 



Und was kommt als Nächstes? Präsentiert der Schweizerische Fussballverband den Regionalverbänden schon bald wieder neue mögliche revolutionäre Neuerungen? Was ist mit dem Rasierschaum? Gillette würde sich die Hände reiben.

Mit den Regeln von der Schulhauswiese?
Oder wie wäre es mit guten alten Regeln von der Schulhauswiese? Für drei Eckbälle gibt es einen Penalty. Oder in der Spielschlussphase gilt einfach: Das nächste Tor entscheidet – auch wenn es bereits 0:5 steht.

Um die Attraktivität des Spiels zu fördern, könnte auch ein mögliches 0:0 ohne Punkte gewertet werden. Und beim Einwurf wäre das Prinzip "de Schnäller isch de Gschwinder" möglich.

Ein Ärgernis ist oft auch die Zeitschinderei. Sie erhält möglicherweise durch das freie Ein- und Auswechseln wieder Auftrieb. Als probates Gegenmittel würde womöglich das Stoppen der Uhr bei Unterbrüchen entgegenwirken. Die 3.-Liga-Schiedsrichter könnten ja von Tissot oder Certina mit den entsprechenden Uhren ausgerüstet werden.

Die orangene Karte
Und auch die Fairplay-Strafpunkte-etc-Regel wäre noch ausbaubar. Mit der orangenen Karte müsste der betroffene Spieler das nächste Spiel aussetzen, dürfte aber zumindest das Spiel noch beenden.

Auf alle Fälle darf man gespannt sein, mit was für Neuerungen der Fussball in Zukunft vom Zürichberg aus oder aus Bern und Schlieren noch befeuert wird. Aber alle Regeländerungen werden wohl nichts daran ändern, dass der Ball Rund ist und das Runde schliesslich ins Eckige muss.

David Schweizer (43), ist Herausgeber von regional-fussball.ch, Sportredaktor bei einer Zürcher Tageszeitung und Trainer bei einem Klub aus dem Zürcher Unterland.

Letzte Änderung am Samstag, 13 Oktober 2018 11:14

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