Der FC Glattfelden hauchdünn vor Klotens Frauen

Der FC Glattfelden hauchdünn vor Klotens Frauen


  • 3. Liga
  • 15.07.2016
  • 11:11

Der "Team des Jahres 2016"-Titel geht an Drittliga-Rückkehrer FC Glattfelden. Die Unterländer rehabilitierten sich damit eindrücklich von den Negativschlagzeilen wegen eines Spielabbruchs und dem anschliessenden Abstieg nach Punkteabzügen. Präsident Werner Balmer freut sich über den Erfolg und sagt: "Wir sind auf dem richtigen Weg."

Hauchdünne Entscheidung
Knapper geht es kaum: der FC Glattfelden holte 21,3 Prozent aller Stimmen und ist damit knapp vor den Frauen des FC Kloten (20,7 Prozent) das "Team des Jahres 2016" im Zürcher Regionalfussball.

Ein versöhnliches Ende für die Unterländer, die noch vor Kurzem in eines der grössten Skandalspiele der letzten Jahre im Regionalfussball verwickelt waren. Nun wird der Drittliga-Rückkehrer just zu seinem 80-Jahre-Jubiläum sensationell ausgezeichnet. Dies insbesondere deshalb, weil der FCG nach all den Negativschlagzeilen in der abgelaufenen Saison wenig Strafpunkte holte.

Noch im Mai 2015 sorgte der FC Glattfelden für einen waschechten Skandal. In der 3.-Liga-Partie gegen den FC Töss II sorgten tumultartige Szenen auf der Schachenerbrücke dazu, dass der Schiedsrichter das Spiel vorzeitig abrechen musste. Der Grund: Stürmer Bujar Memeti hatte eine Tätlichkeit am Tössemer Faton Islami begangen und geriet beim Verlassen des Platzes mit einem weiteren Spieler des Winterthurer Klubs aneinander. In der Folge kam es zu Rudelbildungen und Schubsereien. Zudem stürmten sogar Zuschauer den Platz und mischten im Getümmel munter mit.

Der Fussballverband strafte in der Folge beide Vereine hart: gegen beide Klubs wurden Bussen in der Höhe von 500 bis 1000 Franken verhängt. Dem FC Glattfelden wurden zehn Punkte (später auf neun reduziert), dem FC Töss II sieben Punkte abgezogen. Faton Islami musste ein halbes Jahr aussetzen, Sünder Bujar Memeti gar ein Jahr lang. Memeti spielte ab diesem Frühling für den FC Wallisellen, mit dem er nach einer turbulenten Spielzeit von der 2. in die 3. Liga abstieg.

Absteigen musste im Juni 2015 auch der FC Glattfelden, der nach dem Punkteabzug unter den Strich fiel. Die Schachenerbrücke und die erste Mannschaft des FC Glattfelden waren übrigens bereits im November 2013 Schauplatz von einem Abbruch. Damals waren im Sechszehntelfinal-Spiel des Regionalcups Zuschauer von Glattfelden und von Rafzerfeld beim Stande von 1:2 in der Nachspielzeit auf den Platz gestürmt.

Nun realisierten die Unterländer auf eindrückliche Art und Weise ihre Rückkehr in die 3. Liga: keine einzige Niederlage, 50 Punkte und lediglich 26 Strafpunkte. Damit zählte der FCG nicht nur zu den erfolgreichsten, sondern gleichzeitig auch zu den fairsten aller Viertligisten der letzten Saison.

Werner Balmer (Bild), der FC Glattfelden ist das "Team das Jahres", was bedeutet Ihnen als Präsident diese Wahl?
In erster Linie freut es mich vor allem für die Mannschaft, die auf den aus meiner Sicht unüberlegten, unverhältnismässigen "Tiefschlag" des Verbandes, mit "jetzt erst recht" hervorragend reagiert hat. Für mich als Präsident bestätigt diese Wahl, dass der FC Glattfelden mit den getroffenen Massnahmen auf dem richtigen Weg ist. Dafür danke ich allen, die mitziehen und uns dabei unterstützen.

Wie lange haben die Negativschlagzeilen nach dem Skandal-Spiel gegen den FC Töss II den FCG noch beschäftigt?
Leider beschäftigen sie uns immer noch. Die Reaktionen einiger Sponsoren und Supporter, die sich aufgrund dieser Schlagzeilen zurückgezogen haben, spüren wir nicht zuletzt moralisch heute noch. Auch in Diskussionen unter Kollegen wird der FC Glattfelden vorwiegend mit diesem Vorfall in Verbindung gebracht. Es ist Schade, dass alle anderen 99,99%, die einen super Job hinlegen, auch davon betroffen wurden. Es liegt nun an uns, die Stimmung wieder zu unseren Gunsten zu drehen. Mit den beiden Aufstiegen der 1. und 2. Mannschaft, der tollen Arbeit im Juniorenbereich sowie diesem Titel sind wir auf bestem Wege dazu.

Die erste Mannschaft des FCG ist zurück in der 3. Liga. Mit welchen Ambitionen?
Wie bei jedem Aufsteiger, geht es natürlich in erster Linie darum, den Klassenerhalt zu sicher. In der "Unterländer"-Gruppe wird es sicher nicht einfach, da bekannterweise in dieser Gruppe immer vieles möglich ist. Wir sind froh, in der 3. Liga zurück zu sein und freuen uns auf die vielen Derbys.

Bleibt das Team von Coach Roger Hummel zusammen?
Mit Sinan Maroshi ist einzig der langjährige Captain zurückgetreten. Der Rest der Mannschaft bleibt zusammen und wird durch einige unserer starken A-Junioren ergänzt. Im Sturm und in der Verteidigung sind noch je eine Verstärkung geplant.

Was spricht dafür, dass der Ligaerhalt gelingt?
Der Zusammenhalt der Mannschaft. In dem wir nach diesem Vorfall die personelle Situation im Team bereinigt haben, entstand in der 4.-Liga-Saison wieder eine Mannschaft, die diesen Ausdruck auch verdient. Jeder steht für den anderen ein. Dies ist auch ein Verdienst von Roger Hummel und Heinz Jacot, die es verstanden haben, die Spieler zu motivieren und auf das Ziel "sofortiger Wiederaufstieg" auszurichten. Beim Einbau von neuen Spielern achten wir in erster Linie darauf, dass diese zum Team und zum FCG passen. Es wird sicher keine einfache Saison. Wir wollen aber vor allem eine Mannschaft auf dem Platz haben, die Freude am Fussballspielen hat und dies denZuschauer auch zu spüren geben.

Wie feiert der FCG das 80-Jahre-Jubiläum?
Da das 75-Jahr-Jubiläum mit einem grossen Anlass gefeiert wurde, halten wir das 80-jährige bewusst im kleinen Rahmen. Wir haben in Kombination mit der Aufstiegsfeier, anlässlich des letzten Heimspieles der 1. Mannschaft, Behörden, Supporter, Sponsoren und Freunde des FCG zu einer kleinen Feier eingeladen. (mh)

Team des Jahres 2016
1. FC Glattfelden 21,3 Prozent
2. FC Kloten Frauen 20,7%
3. FC Diessenhofen 14,3%
4. FC Rüti 10,4%
5. FC United Zürich 9,9%
6. FCZ Frauen 7,5%
7. FC Stäfa 5,8%
8. FC Blue Stars 5,6%
9. FC Red Star 2,7%
10. FC Thalwil 1,9%
Letzte Änderung am Sonntag, 30 April 2017 12:08

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