"Wir sind auf einem steinigen, aber richtigen Weg"

"Wir sind auf einem steinigen, aber richtigen Weg"


  • Junioren
  • 21.02.2018
  • 18:27

Thomas Maag bekleidet beim FC Küsnacht das Amt des Talentbetreuers. Für den früheren Zweitliga-Trainer ist klar: Bei der Nachwuchsförderung soll dem Einsatzwillen und der Einstellung des Spielers viel mehr Gewicht beigemessen werden.

Thomas Maag (Bild), sie amten seit einiger Zeit als Talentbetreuer im FC Küsnacht. Wie wie wurden sie rekrutiert?
Durch das Footeco-Ausbildungskonzept des Fussballverbands geben wir unsere talentiertesten Junioren im Alter von 13 Jahren an die Grossklubs ab. Wenn nicht jemand im Kontakt mit den Spielern und Eltern bleibt, wissen wir als Stammklub nicht, wenn ein Spieler den Sprung in die nächst höhere Kategorie nicht schafft. Ich erachte diese Funktion deshalb für Vereine, die keine Punktprämien und Spesen bezahlen, für unerlässlich. Nur so besteht die Chance, dass der abgegebene Spieler wieder zu uns zurückkehrt. Deshalb habe ich diese Funktion schon vor fünf Jahren beim FC Wallisellen lanciert. Dort wird sie seither von Roger Furrer erfolgreich umgesetzt. Beim FC Küsnacht habe ich im letzten Frühling auf die Wichtigkeit dieser Aufgabe hingewiesen, als klargeworden war, dass der FCK inskünftig keine Spesen und Punktprämien mehr bezahlt. Sportchef Richi Rieder hat dann vorgeschlagen, dass ich meinen Vorschlag gleich selbst umsetzen soll. Der Bewerbungsprozess war also recht überschaubar...

Welches sind die Hauptaufgabenbereiche?
Auf der einen Seite ich bin ich für die Kontaktpflege mit den Nachwuchsspielern und deren Eltern zuständig, die beim FCZ und teilweise auch bei GC spielen. Auf der anderen Seite begleite ich die unter 20-jährigen Spieler, die FCK-intern gefördert werden. Ich habe da ein Mitspracherecht, welche Nachwuchsspieler ab dem B-Junioren-Alter in welcher Form gefördert werden sollen.

Welche Erfahrungen konnten sie bisher sammeln?
Dass wir bei der FCK-internen Talentförderung dem Einsatzwillen und der Einstellung des Spielers viel Gewicht beimessen müssen als bisher. Nicht immer ist es der Nachwuchsspieler, welcher den Ball am besten stoppen kann, den man fördern sollte. Vielmehr fördern wir nun eher jene Spieler, die möglichst alle Trainings besuchen, lernwillig und lernfähig sind und immer Vollgas geben. Ein solches Beispiel ist Dominik Dedic, der sich bereits mit 17 Jahren im Eins durchgesetzt und etabliert hat.

Wie ist der Werdegang eines "Talents" und welche Spieler sind in nächster Zeit bereit für den nächsten Schritt?
Im Normalfall kommt ein FCK-Talent kommt mit 12 Jahren ins Footeco-Programm. In diesem Alter bestreitet er ein einmal pro Woche am Stützpunkt in Meilen ein zusätzliches Training. Macht es genügend Fortschritte, folgt ein Jahr später der definitive Wechsel zum FC Zürich. Aktuell spielen rund 15 FCK-Spieler beim FCZ. Der älteste von ihnen ist Alain Fuchs, der erfolgreich in der U-18 des FCZ spielt. Dann gibt es aber auch Ausnahmen, die erst später oder über Umwege den Sprung in den professionellen Nachwuchsfussball schaffen. So zum Beispiel Yannick Scheidegger, der erst mit 15 Jahren zu GC ging und sich dort inzwischen in der U-18-Mannschaft etabliert hat. Diesen Winter hat auch der 15-jährige FCK-B-Junior David Yao den Sprung in die U-16 von GC geschafft. Ihn haben wir aber mit einer Doppellizenz ausgestattet, so dass er bei uns spielen kann, wenn er nicht im Aufgebot der GC-U-16 sein sollte.

Wie beurteilen sie die Zukunftsaussichten des FC Küsnacht?
Ich habe das Gefühl, dass wir mit der ersten Mannschaft auf einem steinigen, aber auf dem richtigen Weg sind. Die Zukunft des Herren-Eins sollte mittelfristig die 2. Liga sein. Ob nun der Klassenerhalt diese Saison geschafft wird oder nicht, ist nicht mal so entscheidend. Entscheidend ist vielmehr, ob wir es schaffen, wieder einen harten Kern an guten, charakterstarken und einsatzwilligen FCK-eigenen Spieler im Eins zu etablieren. Und da sehe ich beim Eins eine sehr positive Entwicklung.

An welches Ereignis im FC Küsnacht können sie sich am ehesten erinnern?
An mein erstes Training als D-Junior auf dem Hartplatz des Heslibachs. Jürg Barak war mein Trainer. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich mich mit 51 Jahren immer noch mit dem Nachwuchsfussball beschäftige, hätte ich ihn damals wohl nur ausgelacht.

Welches sind ihre sportlichen Ziele für die nähere Zukunft?
Dass sich der FCK mit vorwiegend eigenen Spielern in der 2. Liga etabliert und möglichst viele externe Footeco-Junioren, die den Sprung in die nächsthöhere Kategorie nicht schaffen, zum FCK zurückkehren.

Wie sehen ihre privaten und beruflichen Pläne aus?
Seit ich mit 19 Jahren einen schweren Motorradunfall hatte, der mich für drei Monate ins Spital verbannte, habe ich aufgehört, grosse Zukunftspläne zu schmieden. Vielmehr habe ich gelernt, die Gegenwart zu geniessen. Diese Einstellung ist mit ein Grund dafür, weshalb ich diesen Sommer drei Monate Ferien nehmen werde. (Interview: Marcel von Allmen)

Zur Person:

Thomas Maag, Talentbetreuer FC Küsnacht

Geburtsdatum: 19.1.1967

Zivilstand: ledig

Beruf: stv. Leiter Kommunikation Baudirektion Kanton Zürich

Karriere, Vereine: Als Spieler FC Küsnacht, FC Meilen, FC Wallisellen und FC Bassersdorf (2. Liga – 5. Liga). Als Trainer FC Küsnacht, FC Wallisellen und FC Zürich-Affoltern (von E-Junioren über interregionale 2. Liga bis zu Senioren 30+).

Letzte Änderung am Donnerstag, 22 Februar 2018 11:01

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