Die Spieler des FC Weisslingen und SC Zollikon mit Schiedsrichter und Maskottchen Metteli.

"FC Wislig": Mit Rockmusik und Eulen-Maskottchen auf der Erfolgswelle

Die Spieler des FC Weisslingen und SC Zollikon mit Schiedsrichter und Maskottchen Metteli.
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  • 3. Liga
  • 23.11.2018
  • 08:32

Das Fanionteam des kleinen Fussballclubs FC Weisslingen glänzt zur Halbzeit der Meisterschaft mit dem zweiten Zwischenrang in der Drittliga-Gruppe 6. Ein Augenschein auf dem idyllischen Sportplatz Mettlen.

Sonntagmorgen, November. Nach einer kurzen Anfahrt werde ich von einer freundlichen Dame auf dem Parkplatz beim Garderobengebäude empfangen. Sie trägt eine gelbe Warnweste und weist die Fahrzeuge ein. Etwas überrascht fragte ich sie, ob sie für das heutige letzte Meisterschaftsspiel der ersten Mannschaft gegen Zollikon so viele Zuschauer erwarte. Sie antwortet: "Ja, wir haben immer viele Zuschauer an den Heimspielen. Wir wollen verhindern, dass die Autos im Gras parkieren".

Ich lief am alten, renovationsbedürftigen Garderobengebäude aus dem Jahr 1982 vorbei, durch ein kleines Wäldchen zum einzigen Fussballplatz. Ich war erstaunt über die hervorragende Qualität.

Verdienter Sieg
Die Spieler der beiden Mannschaften laufen sich ein, passen und dehnen. Begleitet werden sie von lauter Rockmusik – wahrlich nicht alltäglich. Eine Viertelstunde vor dem Anpfiff kommen immer mehr Zuschauer. Beim Einlaufen werden die beiden Mannschaften von einem Eulen-Maskotchen und wiederum von lauter Rockmusik begleitet.

Die rund 100 gut gelaunten Zuschauer feuern das Team des FC Weisslingen ab der ersten Minute lautstark an. "Hopp Wislig, Hopp Wislig" hört man immer wieder aus dem "Fanblock" des Heimclubs.

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Die frühe Führung der Zolliker beeindruckte die Spieler des Heimteams überhaupt nicht. Linksverteidiger und Captain Joschua Krebs war in der Folge immer wieder Ausgangspunkt schnell vorgetragener Angriffe. Der Ball zirkulierte gut in den eigenen Reihen. Die vielen Flügelläufe über links und rechts wirbelten die Gästedefensive immer wieder gehörig durcheinander.

Nach einer Viertelstunde folgte der verdiente Ausgleichtreffer mittels Foulpenalty. In der 29. und 37. Minute erhöhte der FC Weisslingen auf 3:1, was gleichbedeutend mit dem Pausen- und Schlusspfiff war.



Mit diesen verdienten Sieg im letzten Vorrundenspiel überwintert das Überraschungsteam mit 23 Punkten aus 11 Spielen – 7 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen – auf dem formidablen 2. Tabellenrang. Der Rückstand auf den Leader FC Wetzikon beträgt nur 6 Punkte.

Vorbilder für die Jugendlichen
Will man die Gründe für diesen Höhenflug eruieren, so wird man bereits auf der Website des FCW fündig. Dort steht geschrieben: Der "FC Wislig" steht zu seinen Werten der Menschlichkeit und des Fairplay ... auch dann und im Besonderen, wenn bittere sportliche Niederlagen hingenommen werden müssen oder unser Club gar übervorteilt wird. Wir sind stolz darauf, zu sein, wie wir sind!

"Wegen nach wie vor bescheidenen infrastrukturellen und finanziellen Möglichkeiten ist es unabdinglich, dass Jeder im Club seine Rolle ausfüllt, als loyaler Teamplayer auftritt und einen Beitrag zum Gesamterfolg leistet. Das gilt auch und im Besonderen für die Spieler der Drittligamannschaft, dem sportlichen Aushängeschild beim FC Weisslingen. Sie sind Vorbilder für über 100 Jugendliche."

Weg vom Mauerblümchen-Dasein
Der FC Weisslingen war bis zum 3. Liga (Wieder-)Aufstieg 2014 mehrere Jahre in der 4. Liga vertreten. Den Aufstieg in die 3. Liga musste das Team hart erkämpfen, vier Mal belegte es zum Saisonschuss Rang 2 und verpasste die Promotion jeweils denkbar knapp.

In den ersten beiden Saisons nach dem Aufstieg belegte der FCW jeweils den guten 4. Schlussrang. In der dritten Saison rangierte man auf Rang 10, punktgleich mit dem Absteiger FC Volketswil – die geringere Anzahl Strafpunkte sicherte dem Team den Ligaerhalt. In der vergangenen Saison 2017/18 erreichte das Team den 9. Schlussrang mit 25 Punkten.

Erfahrener Staff

Vereinspräsident Angelo Chidichimo sieht den Hauptgrund für den Höhenflug im grossen Zusammenhalt im Team sowie dem seit Februar 2018 engagierten Trainerduo Marcel Scherrer und Bruno Blöchlinger. Der 50-jähirge Teamverantwortliche wird als Fachmann mit grosser Führungskompetenz bezeichnet. Er verbrachte seine lange fussballerische Karriere als Spieler – unter anderem mit 2.-Liga-Erfahrung – und Trainer vorwiegend beim FC Wallisellen. 


Scherrers Vertrag läuft bis im Sommer 2019. "Es steht ausser Frage, dass wir Kontinuität auf dieser wichtigen Position anstreben. Mäse Scherrer ist prädestiniert dafür, unsere Klubphilosophie zu leben: Mit Struktur und Disziplin, Wisliger Kampf und Leidenschaft Erfolge anstreben und Punkte feiern", lässt sich Sportchef Urs Vonwyl zitieren.

An Scherrers Seite amtet Bruno Blöchlinger. Er bringt ebenfalls viel Erfahrung mit, war vor diesen Engagement zehn Jahre beim FC Kempttal als Trainer der 1. Mannschaft und der Junioren A tätig.

Verstärkung vorgesehen
Olaf Irrgang, ehemaliger Trainer der 1. Mannschaft und aktueller Vizepräsident, sieht weitere Stärken im idealen Altersdurchschnitt von 25 Jahren sowie der Tatsache, dass alle Spieler aus Weisslingen kommen und dadurch schon viele Jahre im Verein und in der 1. Mannschaft auf und neben dem Platz mitwirken. 


Um sich bestmöglich auf die Rückrunde vorzubereiten, will Scherrer sein Team noch mit einem routinierten Stürmer verstärken. Zudem wird das Team ein Trainingslager in Zypern durchführen. 18 Kaderspieler haben bereits ihre Teilnahme bestätigt.



Neues Garderobengebäude in Planung
Die Vereinsverantwortlichen sind aktuell an der Planung zur Erneuerung des Garderobengebäude sowie ein neues Kunstrasenfelds. Aufgrund der vorhandenen Grundstückfläche kann leider kein 11er Platz gebaut werden, er wird "nur" die Grösse vom 9er Fussball (Junioren D) haben.

Trotzdem würde solch ein neues Kunstrasenfeld den Trainings- und Spielbetrieb spürbar und vor allem nachhaltig verbessern. Die gesamten Kosten belaufen sich auf zirka 3 Millionen Franken – eine sehr hohe Investition für so eine kleine Gemeinde wie Weisslingen und eine grosse Ambition für Präsident Chidichimo und seine Vorstandskollegen.

Auf dem Rasen liefert das Fanionteam aktuell gute sportliche Argumente für dieses Grossprojekt, dass in der Gemeinde aber noch einige Überzeugungsarbeit benötigen dürfte. (ga)

Letzte Änderung am Freitag, 23 November 2018 08:32

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