Ist die 2. Liga interregional schon bald am Ende?

Ist die 2. Liga interregional schon bald am Ende?


  • 2. Liga inter
  • 10.09.2019
  • 19:26

Luigi Ponte sorgt für Aufregung. Laut dem neuen Aargauer Verbandspräsident ist die Interregio eine Zwischenliga, die es nicht braucht. Für ihn ist klar: Nach der 1. Liga müssen die Regionen kommen. An der DV der Amateurliga will er einen Antrag stellen.

Noch bevor er Mitte August als Präsident des Aargauischen Fussballverbandes gewählt wurde sorgte Luigi Ponte (Bild) für Aufsehen. Sein Plan: Die Abschaffung der 2. Liga interregional.

Zu teuer, zu unattraktiv
Weshalb? Zu teuer, zu unattraktiv. "Mehrere Zweitliga-Vereine aus unserer Region wollen wegen den Mehraufwänden gar nicht aufsteigen. Zum Beispiel sind die Schiedsrichter-Kosten fast doppelt so hoch. Dann gibt es keine regionale Derbys mehr", sagte er zu seinem Vorhaben in der Regionalfussball-Beilage des "Zürcher Oberländer".

"Ich frage mich einfach, weshalb es so eine Zwischenliga braucht. Nach der 1. Liga müssen die Regionen kommen", so Ponte weiter.


Seit 19 Jahren gibt es die 2. Liga interregional mittlerweile. "Die Schere zwischen den Erstliga-Vereinen und den Zweitliga-Klubs war einfach zu gross", begründete die Amateurliga die damalige Veränderung.

Ponte sieht es anders. Für ihn besteht nicht die Gefahr des zu grossen Gefälle innerhalb der Liga. "Die sogenannten Schwachen haben wir ja dann nicht mehr. Die gehen dann in die 3. Liga – dort wo sie eigentlich hingehören", betonte der Verbandsfunktionär. Und: "In der neuen Konstellation will der Tabellenerste auch wirklich rauf."

"Er hat in vielen Punkten recht"
Bei Markus Herzog, dem Präsident des Interregio-Absteigers FC Dübendorf, rennt Ponte offene Türen ein. "Er hat in vielen Punkten recht. Spieler zu finden, die Schiedsrichter sowie der Trainer ist kostspielig. Wir hatten auch bereits im zweiten Interregio-Jahr weniger Zuschauer als in der 2. Liga."

Zumindest zum Teil Rückendeckung gibt es auch vom FC Adliswil. "Ich finde die Ansätze und Überlegungen von Ponte interessant. Ich teile insbesondere die Schwierigkeiten der Reisen und der Zuschaueranzahl. Die höheren Kosten finde ich jedoch in Ordnung, da auf langfristige Sicht mit einer Mannschaft welche höher spielt, auch mehr talentierte Spieler angezogen werden können", meint Luca Schmid, der Teammanager und Spieler der ersten Mannschaft des Sihltaler Vereins.

Eine ganz andere Sichtweise hat man beim FC Seuzach. "Bei einer Abschaffung hätten wir heute zwei Derbys, was sicher einige Zuschauer auf die Plätze bewegen würden. In der Interregio tragen wir aber Derbys auf kantonaler Ebene aus, welche auch viele Zuschauer mit sich ziehen", sagt Patrick Kaufmann, der Sportchef Aktive.

Die Carfahrten sind ein Highlight
Auf Unverständnis stösst bei ihm der Punkt wegen der Mehrkosten.

"Wenn wir hören wie viel bei gewissen Mannschaften bereits in der 2. Liga für Spieler, Trainer und Staff geklotzt wird, können wir diesem Punkt mit hohen Reisekosten und Schiedsrichterkosten überhaupt nicht zustimmen. Klar ist für uns der Aufwand als Dorfverein immens. Da wir jedoch keine Spieler monetär entschädigen, bringen wir diese Aufwände sehr gut in unserem Budget unter. Zudem sind die Carfahrten ins Tessin oder nach Chur für die Spieler und Anhänger, die mit dem Team mitreisen, immer ein Highlight", so Kaufmann weiter.

"Wer den Aufwand scheut, muss nicht aufsteigen"
Mit Pontes Idee wenig am Hut hat auch Benjamin Fuchs vom FC Freienbach. "Es ist vollkommen logisch, dass jede höhere Liga weitere Wege bringt. Das ist das Grundkonzept von mehreren Ligen. Es gibt aber durchaus attraktive Derbys. Wir haben zwei Schwyzer Nachbarteams, aber auch die Spiele gegen das weit entfernte Kreuzlingen war ein 'Klassiker', der immer viel Interesse hervorgerufen hat. Im übrigen habe ich sehr viele 2.-Liga-Partien gesehen, bei denen kaum 100 Zuschauer dabei waren und ein Derby war es auch nicht, wenn Lachen gegen Schlieren spielte. Die Diskussion scheint mir daher ziemlich an der Realität vorbei zu gehen", sagt der Präsident.

Sein Fazit: Wer den Aufwand scheut, muss nicht aufsteigen. Wem aber die fussballerische Herausforderung wichtig ist, wird es versuchen und den Aufwand auf sich nehmen. "Was an Pontes Idee visionär sein soll, erschliesst sich mir nicht", sagt Fuchs abschliessend deutlich.

Horizonterweiterung und neue Erfahrungen
Eher zurückhaltend äussert man sich beim Interregio-Neuling FC Lachen/Altendorf. "Klar sind die Wege weiter, dafür erweitert sich auch unser Horizont und unsere Erfahrungen. Dies nehmen wir positiv an und schauen wie sich das entwickelt", blickt Präsident Markus Sigel nach vorne.

Eine Lanze für die 2. Liga interregional bricht auch Federico D’Aloia vom FC Blue Stars. "Wir würden eine Abschaffung sehr bedauern und denken es ist möglich, mit einer fokussierten und konsequenten Ausbildung der eigenen Junioren zu bestehen", betont der Sportchef.

Die Reaktion des FVRZ-Präsidenten
Und was meint eigentlich der Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) zum Vorhaben? "Ich konnte bereits mit Effretikon viele Erfahrungen machen (der FCE spielte von 2002 bis 2007 in der Interregio – die Red.). Die finanziellen und menschlichen Ressourcen sind schon heftig. Da muss man sich immer wieder hinterfragen, ob es zeitgemäss ist. Es ist ein interessantes, heikles Thema, welches im Komitee der Amateurliga mit den Vertretern der 13 Regionalverbänden zum Wohl des Amateurfussballs angesprochen wird", erklärte dazu FVRZ-Präsident Sandro Stroppa im Stile eines Politikers gegenüber dem "Zürcher Oberländer".

Nur wenige Tage später liess Stroppa dann im Rahmen des FVRZ-Delegiertenversammlung (DV) die "Katze aus dem Sack". Er gab dort nämlich bekannt, an der ausserordentlicher DV der Amateurliga von Ende September in Luzern sogar für das Präsidentenamt zu kandidieren. Die Abteilung des Schweizerischen Fussballverbands organisiert bekanntlich die 2. Liga interregional.

Und was plant Luigi Ponte? "Ich werde für meine Vision kämpfen und an der Sitzung der Amateurliga einen entsprechenden Antrag stellen", sagte er in einem Interview mit der "Aargauer Zeitung".

Fortsetzung folgt.

Soll die 2 .Liga interregional abgeschafft werden?
Ja. Die Liga ist nur teuer und unattraktiv.
Nein. Das wäre ein Rückschritt für den Amateurfussball.
 
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Letzte Änderung am Dienstag, 10 September 2019 19:26

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