Bassersdorf statt Phönix an der Spitze - die Aufsteiger haben es schwer

Bassersdorf statt Phönix an der Spitze - die Aufsteiger haben es schwer


  • Sokies Analyse
  • 14.08.2015
  • 11:47

Der frühere Profi und heutige Trainer Sokol Maliqi schreibt neu für regional-fussball.ch. In seinem ersten Beitrag analysiert unser Experte die Gruppe 2 der regionalen 2. Liga.

Die 2. Liga regional geht diesen Samstag in die neue Saison. Es gab einige Trainer- und Spielerwechsel und vier neue Teams (wenn auch alte Bekannte) bereichern die Gruppe 2. Wie stehen die Chancen und wie sehen die Tendenzen der einzelnen Teams aus?


Aus meiner Optik wird die Gruppe nicht mehr ganz so stark sein wie in der letzten Saison als eine Mannschaft mit 31 Punkten absteigen musste. Der FC Beringen wird nicht die Power von Rüti haben und die Neulinge sind nicht so aufsässig wie der FC Stäfa oder der FC Pfäffikon. Zudem haben sowohl der FC Dübendorf wie auch der FC Küsnacht deutlich an Qualität eingebüsst.

FC Bassersdorf

Der Klub bewegt sich auf stabilen Gewässern und hat eine interessante Spielphilosophie. Spielt das Team nicht den attraktivsten Fussball? In der letzten Rückrunde hat es nun auch mal begonnen auf Resultat zu spielen, weil es sich im Frühjahr noch in der Nähe der Abstiegsplätze befand. Das Team kennt sich bestens, spielt sehr fair und hat mit Visar Ramani einen starken Transfer gelandet. Mit Trainerfuchs Didier Knöpfli und Sportchef Marco Tanner ist viel Fussball-Know-how vorhanden. Obwohl es die Abgänge der Spieler Marco Tanner und Christian Kluser verkraften müssen, steigt "Bassi" auf. Tipp: Rang 1 


FC Phönix Seen

Denkt der Leser nicht das Gleiche wie ich? Eigentlich gibt es an Phönix Seen kein Vorbeikommen, denn dafür besitzt es zu viel individuelle Klasse. Aber aufgepasst: Viele "gute" Spieler und zu wenig "richtige" Spieler ergeben eben nicht das beste Team. Wenn es nicht auf Anhieb rund läuft wird schnell Feuer unter dem Dach sein. Das spiegelt sich dann erneut in den Strafpunkten oder in Disziplinlosigkeiten in der Defensive ab. Gerade in der Verteidigung hat der Trainer Abramo D'Aversa nach dem Abgang von Alessandro Quarta noch keine entsprechende Alternative verpflichten können. Gemäss alter italienischer Weisheit wird eine Meisterschaft in der Regel mit dem besten Abwehrverhalten gewonnen. Für die Vizemeisterschaft reicht es dennoch. Tipp: Rang 2

SV Schaffhausen
Steigt mit einem neuen Trainer und einige Verstärkungen in die neue Saison. Vor allem die Personalie Bujar Kuc garantiert für eine defensive Stabilität. Die SVS hat dieses Jahr eine phänomenale Rückrunde gespielt. Weil sie nichts mehr zu verlieren hatten? Oder weil sie vielleicht wirklich mit letzter Konsequenz zu Werke gegangen ist? Wie auch immer. So eine Befreiung motiviert unglaublich und setzt Kräfte frei. Von selber wird es aber nicht laufen. Deshalb denke ich nicht, dass sie die Liga in zweites Mal unterschätzen wird. Das Team ist bereit den FC Bassersdorf und den FC Phönix Seen herauszufordern. Tipp: Rang 3

FC Greifensee
Ist der FC Greifensee eine Art Familie? Ja! Das Team bleibt bestehen und man kennt sich schon mehrere Saisons. Aufgrund ihrer eher englischer Art Fussball zu spielen ist ein Duell für die Gegner immer mit Schmerzen verbunden. Es hat einige sehr starke Akteure, vor allem Leader Marc Stella. Der neue Trainer Felix Bollmann wird den dynamischen und schnörkellosen Fussball mit einer Prise FCZ optimieren. Wenn er noch die launischen Auftritte in den Griff bekommt, dann trau ich dem Team einen Effort zu. Tipp: Rang 4

FC Beringen
Wie hat der FC Beringen die Überforderung der letzten Saison verarbeitet? Der Absteiger ist mit vielen Veränderungen und einem neuen Vereinskonzept zurück in der Gruppe. Die Devise lautet nun "weniger Stars, dafür mit mehr jungen Spielern und einem besseren Teamspirit" die Liga aufmischen. Der neue Trainer Spejtim Muharemi macht einen cleveren Eindruck: Er hält die Erwartungen bewusst tief, im Wissen, dass die Mannschaft für eine Überraschung gut sein kann. Ich denke das neu zusammengestellte Team wird zunächst etwas Zeit in Anspruch nehmen, danach gibt es ein solides Abschneiden. Tipp: Rang 5

FC Wetzikon
Dank Shaqiri kennen wir nun alle Stoke City. Diesen Art Club verkörpert aus meiner Sicht der 
FC Wetzikon in der 2. Liga. Viele grosse, kräftige und erfahrene Spieler bestücken das Team mit einer dennoch ansprechenden Spielweise. Der Rücktritt von Alessio Pedrotti wird auch durch die Neuverpflichtungen nicht gänzlich zu ersetzen sein. Mit seiner Schnelligkeit konnte er öfters Überzahlsituationen schaffen. Nun ist das Team von Roger Menzi noch stärker auf die Dienste von Lukas Huber und Leitwolf Christian Jakob angewiesen. Sind sie beide in Form ist der FC Wetzikon schwierig zu schlagen. Jedoch leidet das Team zu oft an Torimpotenz, deshalb reicht es nur für einen Mittelfeldplatz. Tipp: Rang 6

FC Schaffhausen II
Der Nachwuchs des FCS spielt einen schönen Offensivfussball. Er gewinnt oder verliert, selten gibt es ein Remis. Es gibt kein taktisches Denken, deshalb lässt er in der Defensive auch zu viel zu. Aufgrund dieser vielen Gegentore war der FCS II für mich in der letzten Saison über dem Wert klassiert. Ohne die Verstärkungen aus der ersten Mannschaft ist es zu wenig abgebrüht. Das Team hat verschiedene technisch versierte Akteure, deshalb resultiert am Ende ein solide Rangierung. Tipp: Rang 7

FC Wallisellen
FC Wallisellen ist für mich die Wundertüte schlechthin. Immer wieder sorgen viele Wechsel für Unruhe und machen eine Aufbauarbeit sehr schwierig. Im Weiteren kann ich keine klare Vereinsphilosophie erkennen. Das Team lebt von der individuellen Klasse einzelner Spieler. Die Neuzugänge werden sich zuerst beweisen müssen. Absteigen wird es nicht, jedoch von vorne mitspielen kann keine Rede sein. Deshalb liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Tipp: Rang 8

FC Wiesendangen
"Wiesi" hat eine klare Identität. Ihr Spiel ist von bedingungslosen Kampf, Pressing und Konterstärke geprägt. Zudem verfügt das Team über zwei sehr torgefährliche Stürmer, was immer von besonderem Vorteil ist. Normalerweise hat der FC Wiesendangen auf einem schön bespielbaren und grossen Rasen gegen spielerisch gute Gegner keine Chance. Dank ihrer enormen Heimstärke wird das Team die Liga ohne grössere Probleme halten, auch wegen der Motivationskunst von Trainer Gianni Lavigna. Tipp: Rang 9

FC Küsnacht
Im Moment spricht nur das Know-how und die Erfahrung von Rainer Bieli für den Goldküstenklub. Wer soll den Spielertrainer nun mit Vorlagen oder Flanken bedienen? Das fussballerisch starke Trio mit Baran, Vaz und Hürlimann wird nicht zu ersetzen sein. Anscheinend war man mit ihnen nicht mehr zufrieden. Dennoch waren sie auch die Teamleader, wenn auch nicht einfach zu führen. Die jüngste Niederlage im Cup gegen den Viertigisten FC Ramsen ist ein erster Warnschuss das Team dringend mit Erfahrung und Qualität zu verstärken. Nur mit viel Mühe wird es die Liga halten können. Tipp: Rang 10

FC Töss
Der Absteiger ist sofort wieder zurück und nach wie vor mit dem nie müde werdenden Bruno Sutter. Er kann dem Team die nötigen Erfahrung geben und raffinierte Zuspiele liefern. Vorausgesetzt der Rest des Teams spielt, läuft und kämpft für ihn. Nun ist auch sein Bruder Tobias mit an Bord und wird dabei das Tor solide hüten. Schon vor dem Abstieg 2014 hatte der Trainer René Baumeler die Mannschaft stabilisiert. Aus diesem Grund sichert sie sich die Klasse am letzten Spieltag. Tipp: Rang 11

FC Dübendorf

Der FC Dübendorf sucht mit dem neuen Trainer Marcel Erismann nach neuer Identität. Die Leaderfiguren Baptista, Loretz, Abgottspon, Maliqi und Salluce, welche das Rückgrat der jungen Mannschaft bildeten, haben den FC Dübendorf verlassen. Zudem stehen weitere qualitativ gute Stammkräfte wie Grimm, Holbe und Simtsakis nicht mehr zur Verfügung. Diesem Aderlass steht nur ein wirklich etablierter Akteuer gegenüber: Kevin Hediger. Mit diesem enormen Qualitätsverlust ist kein Trainer zu beneiden und wird auch nicht aufzufangen sein. Tipp: Rang 12

FC Bülach
Für den Last-Minute-Aufsteiger ist das Ziel der Klassenerhalt. Dies wird ähnlich wie beim 
FC Brüttisellen-Dietlikon mit vielen eigenen jungen Spielern aus der Region in Angriff genommen. Mit "Giusi" Gatto haben sie genau den richtigen Trainer dafür. Er hat ausreichend Erfahrung und kann mit einer jungen Mannschaft sehr gut umgehen. Der Verein vertritt eine gesunde Philosophie und wird deshalb auch nicht nervös werden, wenn keine Siege eingefahren werden. Nichtsdestotrotz können manchmal die besten Trainer einen Abstieg nicht verhindern. Trotz Engagement und Teamspirit wird es nur ein einjähriges Rendezvous. Tipp: Rang 13

FC Brüttisellen-Dietlikon

Der Aufsteiger freut sich jetzt schon auf die Derbys gegen den FC Dübendorf. Ich bin überzeugt, dass die Euphorie am Anfang das Team tragen wird und so zu Punkten kommt. Jedoch ist die Personaldecke zu dünn und die Hoffnung liegt bei den wenigen Leistungsträgern. Somit gesehen ist das Team dann doch zu unerfahren und die Feststellung wird folgen, dass die Qualität für den Ligaerhalt nicht reichen wird. Auch wenn ein sehr guter Trainer mit André Holder am Werk ist. Tipp: Rang 14

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Der in Zürich-Schwamendingen aufgewachsene Sokol Maliqi (33) spielte als Fussballprofi u.a. beim FC Luzern, APEP Pitisilia (Zyp), FC Vaduz und FC Wil. Als Trainer war er die letzten Jahre für den FC Schwamendingen und FC Dübendorf tätig.

Letzte Änderung am Mittwoch, 17 Januar 2018 20:06

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