Uster, Seefeld, Gossau, Freienbach, Rüti und Kreuzlingen - von gut organisiert bis peinlich

Uster, Seefeld, Gossau, Freienbach, Rüti und Kreuzlingen - von gut organisiert bis peinlich


  • Sokies Analyse
  • 07.10.2015
  • 10:40

Der frühere Profi und heutige Trainer Sokol Maliqi berichtet exklusiv für regional-fussball.ch. In seiner aktuellen Analyse widmet er sich den FVRZ-Teams der Interregio-Gruppe 6.

Liebe Leser,

Am letzten Weekend habe ich die "FVRZ"-Interregio-Teams der Gruppe 6 unter die Lupe genommen und folgende Spiele verfolgt:

FC Uster - FC Seefeld ZH 0:0
FC Gossau - FC Freienbach 0:2
FC Rüti - FC Kreuzlingen 8:3

Nun die Tabelle zeigt natürlich nach 9 Spielen ein gewisse Tendenz. Was war für mich als Trainer von besonderem Interesse? Ich versuchte in den ersten 15 Minuten der beiden Halbzeiten die Handschrift der Trainer zu erkennen. Ich konnte die Spielphilosophien der verschiedenen Teams vergleichen. Teilweise war auch nicht zu übersehen, was den Teams noch fehlt oder von welchen Spielern sind stark abhängig sind.

Ich fragte mich, wie sind die Mannschaften bei Ballverlust organisiert? Wie schnell sind sie vor dem Tor nach dem Ballgewinn? Im Speziellen gefällt es mir sehr gut, wenn ich echte Leaderfiguren auch ohne Captainbinde auf dem Platz ausfindig machen kann, vielleicht zukünftige Trainer. Denn gute Spieler spielen einfach gut, aber aussergewöhnliche Spieler spielen gut und machen ihre Mitspieler besser.

Gerne positioniere ich mich jeweils neben den beiden Trainerbänken. Das gibt mir die Möglichkeit, die Trainer im Detail zu beobachten. Kommentieren sie Entscheide der Spieler und Schiedsrichter oder coachen sie ihr Team einen Pass vorausdenkend? Wie lesen sie das Spiel? Oftmals erkennt man an der Körpersprache des Trainers, welches Team gewinnen wird.

seefeldFC Seefeld ZH
Das Spiel gegen den FC Uster war darauf ausgelegt, erstmal kein Tor zu bekommen. Beide Abwehrreihen hatten bis dahin wenig Tore zugelassen, deshalb war den Trainern wohl klar, dass dasjenige Team, welches in Führung geht, das Spiel auch mit grosser Wahrscheinlichkeit gewinnen würde.

Die Zürcher aus dem Nobelquartier erachte ich als eine physisch sehr starke Mannschaft. Das Umschalten des FC Seefeld nach Ballverlusten war nahezu perfekt. Zwei Vierrerreihen waren sehr schnell hinter dem Ball und organisierten sich lautstark gegenseitig. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen. Zudem hat der Verein mit Cyril Schneider ziemlich den besten Keeper zwischen den Pfosten, was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

Was die Abwehr weniger gut kann, ist das Spiel von hinten heraus auszulösen, um die gegnerischen Stürmer zu Defensivarbeit zu zwingen. Offensiv brachte das Team von Sinardo/Borilovic wenig zu Stande. Die Stürmer waren meines Erachtens zu wenig in Bewegung, obwohl sie defensiv viele Pausen einlegten. Dadurch zeigte sich eine eine gewisse Abhängigkeit von David Blumer.

Bei diesem interessanten Trainerduo kann ich die Gewaltentrennung nicht genau erkennen. Das könnte für Reizpuntke sorgen, was für mich wiederum von Vorteil ist. Es gab von beiden Leitern Anweisungen, das könnte die Spieler allerdings irritieren. In Sachen Taktik gibt für mich nur einen Chef. Im Weiteren war kein verlängerter Arm der Trainer auf dem Platz auszumachen. Der einzige echte Leader steht im Tor, was nicht immer besonders ideal ist.

Fazit: Starke Defensive, erfahrenes Mittelfeld und David Blumer gecoacht von einem positiv verrückten Trainerduo. Das reicht, um bis zum Schluss um den Aufstieg zu kämpfen.

usterFC Uster
Das Spiel von Uster war in der Anfangsphase sehr zerfahren und von vielen Fehlpässen geprägt. Auch hier spielte man wie beim FC Seefeld in einem 4-4-2-System, mit zwei klassischen Stürmern. Auch hier waren die Stürmer zu wenig in Bewegung, wirkten nicht fit und hatten dementsprechend viele Breaks. Sie konnten sich gegen die robusten Innenverteidiger der Gäste selten bis gar nie durchsetzen.

Dennoch hätte Uster das Spiel auch gewinnen können. In engen Spitzenspielen entscheiden oft die stehenden Bälle. Und da war Uster viel besser und dem Tor zwei- bis dreimal sehr nahe. Das Innverteidiger-Duo Iten/Von Aarburg gefiel mir sehr gut. Es harmoniert, kann das Spiel gut lesen und Angriffe von hinten heraus auslösen.

Zudem coacht es das Team ruhig und sachlich. Auch Laski machte im zentralen Mittelfeld eine gute Partie. Aber letztendlich war es einfach zu wenig, um einen gut organisierten Gegner zu bezwingen. Uster hatte auch keine gefährlichen oder schnellen Flügelspieler an diesem Tag, um sich vorteilhafte Situationen zu verschaffen.

Fazit: Dank der starken Defensive Rang drei bis fünf.

gossauFC Gossau
Das Team von Paco Sanchez war in fast allen Belangen dem FC Freienbach unterlegen. Einzig auf Standardsituationen war man sehr gefährlich und hätte gut und gerne zwei Tore schiessen können, dies beim Spielstand von 0:1. Wenn der FC Gossau in dieser Phase ein Tor schiesst, verliert er das Spiel vermutlich nicht.

Dennoch leidet das Team an enormen technischen Mängeln, was einen Spielaufbau auf diesem nicht optimalen Terrain mit schwachem Licht sehr erschwert. Ob der FC Gossau allerdings wirklich spielen will, war nicht zu eruieren.

Zu oft agierte er mit langen Bällen und verhielt sich in den Zweikämpfen ungeschickt und äusserst ungestüm. Immerhin haben die Spieler bis zum Schluss gekämpft, was für die Moral des Teams spricht. Auch bei diesem Team konnte ich nicht wirklich einen Patron auf dem Platz notieren.

Fazit: Wenn der FC Gossau nicht absteigt, dann ist dies als eine grosse Willensleistung zu betrachten.

freienbachFC Freienbach
Die ruhige Art von Jakob Turgut fand ich grossartig. So spielte auch sein Team, konzentriert und besonnen. Es hatte Spass am Fussball und zeigte einige schöne Kombinationen. Dennoch war der FC Freienbach in der Box zu wenig zielstrebig. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass die beiden Torschützen Palumbo und Iseni die Bälle von gut 25 Metern unhaltbar ins Lattenkreuz beförderten.

War das Spiel in der ersten Halbzeit noch etwas ausgeglichen, zwangen die Schwyzer mit einem guten Mittelfeldpressing im zweiten Durchgang dem Gegner ihr Spiel auf. Sie verfügen über einige sehr versierte Techniker, das sind gute Voraussetzungen für Ballstafetten.

Am meisten beeindruckt war ich von Mauro Disch, dem Innenverteidiger und Captain des Teams. Sein Positionsspiel war sehr gut, er kann das Spiel lesen und hatte im Zweikampf absolut nichts zu verschenken. Er ist sehr ordentlich am Ball und zeigte echte Leaderqualitäten. Diese Fähigkeiten erinnerten mich ein wenig an Jaap Stam.

Fazit: Der FC Freienbach waren an diesem Samstagabend zu wenig gefordert. Er bewegt sich dennoch für mich auf Augenhöhe mit dem FC Uster.

ruetiFC Rüti
Offensiv ein Schmaus, Defensiv ein Graus. Die meisten Tore geschossen und die meisten erhalten. Lange wir dies aber nicht mehr gut gehen. Urs Fritschi tut gut daran, einen Plan B zu schmieden und der Mannschaft eine defensive Mentalität einzuimpfen. Denn die Gegner werden sich auf den FC Rüti bald besser einstellen können. Zudem werden Grimm, Waser und die Gebrüder Syla aus dem genialen Offensivquartett auch mal ausfallen.

Als neutraler Beobachter hätte ich für dieses Spiel gut und gerne 50 Franken Eintritt bezahlt. Es waren einige "Outstanding"- Tore dabei. Vor allem was Taulant Syla im Moment auf dem Platz zaubert, ist extrem bewundernswert. In welcher schönen Manier er die Tore schiesst, lässt auf hervorragende kognitive und koordinative Fähigkeiten zurückschliessen.

Jedoch fehlt auch dem FC Rüti ein echter Chef auf dem Platz. Einer der nur defensiv denkt und das Team dementsprechend organisiert. Der hohe Sieg war notabene auch dem peinlichen Auftritt meines ehemaligen Vereins FC Kreuzlingen geschuldet. Er bestimmte zwar das Spiel, war aber auf das schnelle offensive Umschalten der Oberländer zu wenig gut vorbereitet.

Weiter wirkten einige Spieler lustlos und sehr behäbig. Nicht einmal ein Ersatzkeeper hatte auf der Bank Platz genommen. Die gesamte Vorstellung war eines Tabellenführers unwürdig. Dennoch hatte er genug Chancen und hätte regelrecht sechs bis sieben Tore schiessen können, dies selbst in Unterzahl. Das zeigt doch eine gewisse Qualität des Teams.

Fazit: Der FC Rüti bleibt die "Wundertüte". Er wird noch einigen Teams wehtun und mit dem Abstiegskampf nicht in Berührung kommen.

Noch ein paar Worte zu den Schiedsrichtern. In allen drei Spielen liessen sie sich von den Spielern auch mal etwas sagen. Zu Gunsten eines flüssigen Spiels, pfiffen sie nicht gleich jede Kleinigkeit ab. Zudem gab es auch keine Fehlentscheidungen und sie hatten ihre Partien stets unter Kontrolle. Chapeau!

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Der in Zürich-Schwamendingen aufgewachsene Sokol Maliqi (33) spielte als Fussballprofi u.a. beim FC Luzern, APEP Pitisilia (Zyp), FC Vaduz und FC Wil. Als Trainer war er die letzten Jahre für den FC Schwamendingen und FC Dübendorf tätig.

Letzte Änderung am Mittwoch, 17 Januar 2018 20:05

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