"Die Gruppe hat an Qualität verloren - und Bassersdorf enttäuschte"

"Die Gruppe hat an Qualität verloren - und Bassersdorf enttäuschte"


  • Sokies Analyse
  • 18.11.2015
  • 16:42

Der frühere Profi und heutige Trainer Sokol Maliqi berichtet exklusiv für regional-fussball.ch. In seinem ersten Beitrag analysierte er im Sommer die Gruppe 2 der regionalen 2. Liga. Jetzt schaut der 33-Jährige nach der Vorrunde erneut genau hin.

Die Vorrunde ist vorbei und es gilt für mich, das Fazit zu meiner Prognose aus dem Sommer zu ziehen. Der FC Phönix Seen hat in dieser Saison zwei Gegner. Sich selbst und den weiter erstarkten FC Schaffhausen II. Sie beide werden die Meisterschaft unter sich ausmachen.

Für den Rest der Liga gilt: Möglichst gut abschneiden oder nicht absteigen. Wie ich bereits im Sommer befürchtet habe, hat die Gruppe doch deutlich an Qualität eingebüsst. Die SV Schaffhausen und den FC Greifensee habe ich stärker erwartet. Der FC Wetzikon und der FC Wallisellen sind gar etwas von der Rolle. Und vom FC Bassersdorf bin ich schon etwas enttäuscht.

Diese Unterperformance haben andere Teams zum Vorteil genutzt, um sich komfortable Tabellensituationen zu verschaffen, wie zum Beispiel der FC Bülach, FC Küsnacht oder FC Wiesendangen.

phoenix seenRang 1: FC Phönix Seen
Die Winterthurer sind voll im Soll. Ein starker Start mit sechs Siegen in Serie hat bestimmt für Ruhe gesorgt. Die Formation scheint sich gefunden zu haben. Mit Aydin, Vaz, Mare, Yildiz und vor allem Petronijevic haben sie sehr starke Akteure. Auch Arlotta ist ein sicherer Rückhalt, das beweisen die wenigen Gegentreffer. Eine kurze Resultatkrise über etwa vier Wochen bedeutete, dass man sich im Cup in Lachen verabschieden musste und dass die Konkurrenz mit dem FC Schaffhausen II und dem FC Küsnacht noch in Reichweite ist. Die jüngste Niederlage in Beringen, die erneut in den Schlussminuten zustande kam, kann letztendlich die Meisterschaft kosten. Es bleibt ein Zweikampf mit dem FC Schaffhausen II.

schaffhausenRang 2: FC Schaffhausen II
Die Liga hat verloren und die Schaffhauser an Qualität dazugewonnen. Entgegen der letzten zwei Saisons ist die Mannschaft gereift und hat in der Person von Antonio Dos Santos deutlich an Erfahrung und Kreativität gewonnen. Seit er im Einsatz ist, ging nur ein Spiel Remis und eines verloren. Dazu ist Demhasaj, wenn er denn spielt, ein sicherer Torschütze. Sopi und Martic komplettieren die beiden starken Spieler aus dem Mittelfeld heraus und sind ebenfalls torgefährlich. Das Team trat sehr stabil auf und erhielt somit wenig Gegentore. Ich prognostiziere einen Zweikampf bis zum Ende der Saison. Vorausgesetzt, das Team bleibt in dieser Zusammenstellung mit dem ehemaligen Super-League-Spieler "Toni" Dos Santos.

wiesendangenRang 3: FC Wiesendangen
24 Punkte bedeuten Rang 3 sowie im Cup noch dabei. Zudem in sechs Partien kein Tor bekommen, und dies als fairste Mannschaft der Liga. Gratulation an die Spieler für diese konstante Leistung. Vor allem versteht Trainer Gianni Lavigna sein Handwerk, der ohne Frage das Maximum aus dem Team herauskitzelt. Man stelle sich vor, der FC Wiesendangen hätte das Spitzenspiel gegen den FC Phönix Seen gewonnen, als man früh noch geführt hatte. Es wäre zum grossen Zusammenschluss an der Tabellenspitze gekommen. Als Trainer würde ich nun den Fokus auf die Torproduktion legen, ohne das starke Abwehrverhalten zu vernachlässigen, was einer weiteren positiven Entwicklung gleich käme.

kuesnachtRang 4: FC Küsnacht
Genauso viele Punkte wie der FC Wiesendangen, aber mit offensiver Philosophie. Das Team lässt im Schnitt knapp zwei Tore pro Spiel zu und dennoch resultiert Rang 4, ein Wahnsinn. Hinzukommt, dass der FC Küsnacht seit acht Spielen ungeschlagen ist. Chapeau, auch wegen den gewichtigen Abgängen im letzten Sommer! Aber aufgepasst: Acht Tore hat Spielertrainer Rainer Bieli geschossen und genauso so viele das ex GC-Talent Guido Bischofberger, der sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt und enorm an Schnelligkeit zugelegt hat. Aufgrund dieser Abhängigkeit tut man gut daran, sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen. Doch so wie ich "Raini" kenne, hat er die vorderen Plätze noch nicht abgeschrieben, warum auch?

buelachRang 5: FC Bülach
Die Bülacher sind die Überraschung der Vorrunde, sie haben mich eines Besseren belehrt. Ihr Leistungsausweis besagt eine starke Torproduktion, eine top Disziplin und nur drei Niederlagen, davon zweimal nur 1:2 gegen die beiden Topteams. Der erfahrene Mister Gatto hat demensprechend alles im Griff und sagt: "Wir bringen unsere Leistung und können nichts dafür, wenn andere Teams sich unter dem Wert geschlagen haben." Nach dieser starken Vorrunde wird es nicht, wie von mir prophezeit, bei einem nur einjährigen Rendezvous mit der 2. Liga bleiben. Jedoch werden die Spieler ihr Abwehrverhalten verbessern müssen.

spielvi schaffhausenRang 6: SV Schaffhausen
20 Punkte gewonnen und in 10 Spielen nicht als Verlierer vom Platz. Die Spielvereinigung Schaffhausen schiesst zu wenig Tore, sonst wäre sie mit Bestimmtheit weiter vorne platziert. Nach der total verkorksten Vorrunde in der letzten Saison wird es vermutlich als Aufbaujahr angesehen, um nächstes Jahr den Aufstieg wieder anzupeilen. In dieser Spielzeit ist der 3. Rang durchaus noch möglich. Einzig die vielen Spielerwechsel unter den drei Vereinen im Kanton Schaffhausen kann ich nicht ganz nachvollziehen.

duebendorfRang 7: FC Dübendorf
Marcel Erismann hat in Dübendorf gut Tritt gefasst. Aufstellungstechnisch hat er nicht viel verändert, bilden doch etliche etablierte Spieler aus den letzten zwei Saisons den Stamm dieser Mannschaft. Trotz vieler Gegentreffer hat man sich 20 Punkte erbeutet. Diese Leistung hätte ich "Dübi" nicht zugetraut, deshalb ein Kompliment für die gute Vorrunde und ein "sorry" für meine harte Prognose im Sommer. Einzig die etwas gar vielen Strafpunkte werden Präsident Herzog nicht besonders gefallen. Hingegen dürfen sich die Glatttaler auf einen starken Rückkehrer freuen. Was Francesco Totti für die AS Roma war, ist Ali Hoti für den FC Dübendorf. Allein schon seine Präsenz auf dem Platz wird dem Team enormen Auftrieb verleihen. Die einzige Frage, nach der fast zweijährigen Verletzungspause, ist: Wie schnell kommt er in Form?

greifenseeRang 8: FC Greifensee
Die Oberländer sind sehr stark in die neue Saison gestartet. Sie probieren einen gepflegteren Fussball zu zeigen und verfügen über Spieler mit viel Tempo wie Grüter oder Schmid. Doch die launischen Auftritte sind noch nicht gänzlich abgestellt. Gegen die Teams aus Beringen, Bülach und Wallisellen, für den FC Greifensee eher schlagbare Gegner, wurde nur ein Punkt generiert. Deshalb ist der Klub tendenziell zu tief in der Tabelle platziert. Mit mehr Konstanz in der Rückrunde liegt der 4. Rang noch drin.

bassersdorfRang 9: FC Bassersdorf
Diesem Team habe ich Rang 1 zugetraut, deshalb ist er für mich die grösste Enttäuschung der Vorrunde. Wenn ich mir die Qualität der Spieler unter die Lupe nehme, dann sind sieben Niederlagen einfach zu viel. 32 geschossene Tore haben nur für nur 16 Punkte gereicht. Klar, dass der Hebel im defensiven Denken angesetzt werden muss. Fahrlässig, wie man im ersten Spiel gegen Greifensee den ersten Sieg verschenkt und somit einen allfälligen guten Saisonstart verpasst hat. Vielleicht fehlen Christian Kluser und Marco Tanner als Platzhirsche doch zu sehr. Dennoch wird "Bassi" in der Rückrunde in der Tabelle weiter nach oben klettern.

wetzikonRang 10: FC Wetzikon
Im Winter vor zwei Jahren standen sie noch auf Rang 2 mit 26 Punkten und waren den Beringern dicht auf den Fersen. Seit dann ist ein langsamer Leistungsabfall festzustellen. In dieser Saison ist der FC Wetzikon mit drei deutlichen Niederlagen gestartet. Die Abwehr war in den vergangen Spielzeiten noch das Prunkstück, davon ist man nun weit weg. Es fehlt ihnen auch ein Mann, der Spiele im Alleingang entscheiden kann. Roger Menzi hat im neuen Jahr sicherlich keine einfache Vorbereitung vor sich. Das Ziel kann nur noch sein, sich möglichst schnell der Abstiegsgefahr zu entrinnen.

beringenRang 11: FC Beringen
Von meinem getippten Rang 5 sind die Klettgauer nach dem sehr schwachen Saisonstart weit entfernt. Doch dann kam der Aufbaugegner FC Töss, der knapp besiegt werden konnte. Angesichts der aktuellen Tabellensituation war es ein ungemein wichtiger Sieg. Nun überwintert der Klub über dem Strich. Eine weitere Motivationsspritze wird der letzte Sieg gegen den FC Phönix Seen sein, als sie das Spiel in extremis gewendet werden konnte. Die Spieler werden sich sagen: Wenn uns dies gegen die beste Mannschaft der Liga gelingt, warum nicht gegen alle anderen auch? Ich denke, der FC Beringen wird sich weiter stabilisieren.

toessRang 12: FC Töss
Ich glaube nicht, dass der FC Töss die Liga halten wird. Nach einem doch sehr ansehnlichen Start kam der Einbruch. Erfolgserlebnisse motivieren doch, warum konnten danach nur noch 3 Punkte realisiert werden? Als Trainer würde ich Captain Murina als Spielmacher in die Mitte befördern. Denn, obwohl ich Bruno Sutter sehr mag, ist er nicht mehr in der physischen Verfassung, um dem Team die nötigen Impulse zu verleihen. Unverständlich ist für mich, wie man in einer so kapitalen Partie wie gegen den FC Brüttisellen-Dietlikon, als man die Chance hatte, über den Strich zu klettern, so lustlos auftreten kann. Am Ende der Saison wird diese Sechs-Punkte-Partie fatale Folgen haben.

bruettisellen dietlikonRang 13: FC Brüttisellen-Dietlikon
Beim FC Brüttisellen-Dietlikon lag ich ziemlich gut in meiner Prognose, denn er ist der Prügelknabe schlechthin. Oftmals lag man schon früh in einer Partie 0:3 im Rückstand. Aufgrund dieser vielen Kanterniederlagen kamen 43 Gegentreffer zusammen, dies zeugt nicht gerade von einem starken Stolz innerhalb des Teams. Die Spieler sind nicht nur jung und teils unerfahren, sondern bringen auch sehr wenig Gewicht auf die Waage. Gerade in engen Spielen ist die Durchschlagskraft sehr entscheidend. Dennoch liegt der Klassenerhalt im Bereich des Möglichen. Diesbezüglich würden die regelmässigen Tore von Zahir Idrizi weiterhin helfen. Doch ob er nach dem Vertrauensbruch von Trainer André Holder bleibt, gilt abzuwarten.

wallisellenRang 14: FC Wallisellen
Im Sommer hatte ich noch etwas provozierend geschrieben, dass viele Wechsel für Unruhe sorgen und so eine Aufbauarbeit schwierig machen. Nun hat das aktuelle Schlusslicht der Liga noch kein einziges Spiel "zu null" gespielt. Nachvollziehbar, dass keine Mechanismen entstehen können, denn Emilio Gesteiro hat fast 40 Spieler eingesetzt. Ob der Trainer gezwungen oder dies so gewollt war, spielt keine Rolle, denn es bestätigt meine Beobachtungen während des laufenden Jahres. Beständige und verlässliche Verstärkungen werden unabdingbar sein. Mit den aktuellen Strafpunkten muss noch ein zusätzlicher Punkt mehr gewonnen werden. Von grosser Bedeutung wird sein, dass die Partien gegen die direkten Konkurrenten in der Rückrunde erfolgreich gestaltet werden können.

Bis bald, Ihr Sokol Maliqi.

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Der in Zürich-Schwamendingen aufgewachsene Sokol Maliqi (33) spielte als Fussballprofi u.a. beim FC Luzern, APEP Pitisilia (Zyp), FC Vaduz und FC Wil. Als Trainer war er die letzten Jahre für den FC Schwamendingen und FC Dübendorf tätig.

Letzte Änderung am Mittwoch, 17 Januar 2018 20:04

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