Herber Rückschlag für Effretikon

Herber Rückschlag für Effretikon


  • 3. Liga
  • 14.04.2018
  • 20:56

Nach den zwei Siegen über Schlusslicht Glattfelden (4:1) und den Tabellenzweiten Niederweningen (3:0) musste Effretikon zum letztjährigen Zweitliga-Absteiger Bülach und schlug sich auf dem Erachfeld nach zwei Vollerfolgen selbst 1:2 (1:2).

Es war eigentlich ein Klassiker, wenn auch nicht mehr wie früher in der Zweitliga (2010/11). Momentan backen Bülach und Effretikon in der Drittliga kleinere Brötchen. Und gerade für die einst erfolgsverwöhnten Zürcher Unterländer ist die Realität in der "Anonymität der Drittliga" besonders hart.

Bülach war früher der Zürcher Vorzeigeklub schlechthin. Im Stil von Bayern München dominierte Bülach unter Trainer Dietmar Morchner (kam 1988/89 von Stäfa zu Bülach) die Zweitliga-Meisterschaft und schaffte Ende 1993/94 den Erstliga-Aufstieg.

Gastgeber einst Erstligist…
Dort spielte Bülach dann während vier Jahren, so wie erstmals 1962 (damals nur für eine Saison). Ende 1997/98 erfolgte der Abstieg in die 2. Liga – 1999/2000 die Relegation in die neu geschaffene Zweitliga-Interregio (Amateurliga), in welcher Effretikon bekanntlich auch fünf Jahre mitspielen konnte.

…und 2010/11 der erste Abstieg in die Drittliga…
2001/02 verfielen die Unterländer dem erneuten Abstieg, schafften aber die sofortige Rückkehr (2002/03). Im "verflixten siebten Jahr" erwischte es Bülach – so wie einst Effretikon. Doppelabstieg in die 3. Liga (Ende 2010/11) und in jener Saison kämpften Bülach und Effretikon in der gleichen Zweitliga-Gruppe um den Ligaerhalt.

Effretikon konnte sich damals mit 21 Punkten (aus 26 Spielen) gerade noch den Kopf aus der Relegationsschlinge ziehen – und gewann in der Rückrunde in Bülach 2:0. Zusammen mit Herrliberg musste Bülach in die 3. Liga absteigen. Effretikon landete genau über dem Strich in der Tabelle auf dem 12. Schlussrang.

…mit sofortiger Rückkehr in die Zweitliga…
Nach vier Jahren Drittliga-Zugehörigkeit kehrte Bülach Ende 2014/15 vor Neftenbach in die 2. Liga zurück. Auf einen 7. Schlussrang erwischte es Bülach aber im zweiten Jahr erneut. Zusammen mit Töss mussten die Unterländer (Gründungsdatum: 20. März 1917), folglich im letzten Jahr ihr 100-Jahr-Jubiläum feiern konnten, stieg Bülach wieder in die Drittliga ab.

…und Trainerwechsel zur Winterpause
Zur Winterpause gab es beim FC Bülach einen Trainerwechsel. Neu wird die Mannschaft vom bisherigen Assistenz-Trainer Gian-Luca Appasito trainiert. Der 34-Jährige löste auf dem Erachfeld interimsmässig bis Saisonende den bisherigen Teamchef Marco Nicolo ab.

Bülach verlor das Rückrunden-Startspiel gegen Leader Wallisellen auf eigenem Platz mit 1:4 (1:2) und überraschte am vergangenen Sonntag. Bülach schlug auswärts im Unterland-Derby Embrach mit 3:0 (0:0) und rangiert zurzeit auf dem fünften Tabellenplatz (13 Spiele/18 Punkte).

Effretikon zwei Mal gespielt – zwei Mal gewonnen…
Effretikon kann auf einen erfolgreichen Rückrundenstart zurückblicken. Zwei Spiele – zwei Siege – sechs Punkte. Dazu 7:1 Tore (4:1 und 3:0). Optimaler hätte der Auftakt zur zweiten Saisonhälfte für die Zürcher Oberländer nicht sein können. Ein Auswärtssieg bei Schlusslicht Glattfelden war schon eher Pflicht. Mit einer Leistungssteigerung nach der Pause verdiente sich Effretikon am Ende den Auswärtssieg in Glattfelden.

Dass Effretikon sein Heimspiel-Debüt im Frühling 2018 gegen Niederweningen ebenfalls erfolgreich gestalten würde, war hingegen so nicht absehbar, denn mit dem Gast spielte kein geringerer als der aktuelle Tabellenzweite der Gruppe 4 im Eselriet auf. Niederwenigen, im letzten Jahr noch potentieller Abstiegskandidat, überraschte bislang in der laufenden Saison 2017/18 und schlug Effretikon bekanntlich in der Vorrunde 2:0 und verlor in der ersten Saisonhälfte nur zwei Mal.

Bülachs Selbstvertrauen nach 3:0-Auswärtssieg in Embrach…
Effretikons Trainer Flakon Halimi: "Bülach ist natürlich nach dem 3:0-Auswärtssieg vor einer Woche in Bülach mit einer grossen Portion Selbstvertrauen zu diesem Heimspiel angetreten". Dieser Bemerkung kann man aber nur entgegenhalten, dass seine eigene Mannschaft diesbezüglich aber mit den zwei Siegen in Folge und dem letzten Heimsieg über den Tabellenzweiten, doch aus dem selben Kübel des Selbstvertrauens hätte schöpfen können, ja müssen.

"Wir stecken halt noch immer in einem Lernprozess", beschwichtigte Halimi, ärgerte sich aber dennoch über die keinesfalls zwingende 1:2-Niederlage und damit die missglückte Revanche für die 2:4-Vorrunden-Niederlage.

…bestätigt sich mit fulminantem Auftakt
Nach 40 Sekunden rannten die Gäste bereits dem frühen Rückstand nach. Später (25.) dem 0:2, welchem Adrian Fahrni den 1:2-Anschlusstreffer folgen liess (31.). Ab diesem Zeitpunkt verzeichneten die Effretiker mehr Ballbesitz, kamen aber gegen das sich nur noch passiv verhaltende Bülach nicht mehr zum Ausgleich.

Zu vieles passte an diesem Samstag im Unterland für den Gast nicht zusammen. Hinzu kam dann auch noch das fehlende Wettkampfglück, denn für Effretikon hatte Adrian Fahrni zwei Minuten nach seinem 1:2 Anschlusstreffer noch einen Kopfball an die Latte zu vermelden.

Am Anfang nicht da…
Wäre, hätte, wenn und Aber. Das Verdikt nach 90 Minuten war pure Enttäuschung für Effretikon. "Ich will nicht sagen, dass wir am Anfang nicht da waren, aber irgendwie haben wir uns wohl die heutige Aufgabe etwas zu leicht vorgestellt", gestand Flakon Halimi.

Bülach, das die Effretiker bereits in der Vorrunde mit 4:2 zu schlagen vermochte, verstand es einzig in den ersten zwanzig Minuten etwelchen Druck auf zu setzten, baute nach dem 2:0-Vorsprung aber markant ab und rettete sich letztlich mit viel Glück über die Zeit.

…und nach 40 Sekunden 0:1 in Rückstand
Die Gäste aus dem Oberland erwischten einen rabenschwarzen Start. Schon mit der ungewohnten Anspielzeit, samstags um 16 Uhr, taten sich viele der Effretiker Spieler höchst schwer und schienen mental nicht anwesend, als das Treffen angepfiffen wurde. Trainer Flakon Halimi bestätigte, dass "wir die ersten zehn Minuten verschlafen haben. Wieso? Das ist für mich einfach ein Rätsel.

Schade. Nach der tollen Leistung vom vergangenen Samstag im Heimspiel gegen das zeitrangierte Niederweningen war es für Effretiker eher ein herber Rückschlag, zumal diese Niederlage völlig vermeidbar gewesen wäre.

Im Stau stecken geblieben
Man hätte meinen können, die Effretiker hätten die Lehren aus dem unsäglichen Auswärtsspiel der Vorrunde in Niederweningen gezogen. Scheinbar aber nicht. Erneut mangelnde Matchvorbereitung? Jedenfalls blieben einige der Effretiker im Brüttiseller-Kreuz in der Autobahn-Baustelle (Unfall) stecken und kamen zu spät in Bülach an, was Urs Rhyner (berechtigterweise) bereits auf die Palme trieb. Man müsse eben gerade zu einer solchen Tageszeit immer wieder mit Verspätungen rechnen, so der Effretiker Assistenz-Trainer. "Dann fährt man eben einfach etwas früher von zu Hause weg".

Gegenüber dem letzten Heimspiel gegen Niederweningen gab es bei Effretikon eine wichtige Teamänderung. Dejan Stankovic fehlte familiär. An seiner Stelle übernahm Deyan Ngari den Posten als "vorderer Verteidiger" vor der vier Mann-Abwehr Aregger/Schanz/Shahinaj/Emrulahri. Und ganz vorne starteten die Effretiker mit Uchenna Anioke als einzige Sturmspitze.

Christoph Panzer, der vor zwei Tagen seinen 32. Geburtstag feiern konnte und im letzten Heimspiel nach zwei Minuten den Ball an den Pfosten hämmerte, kam erst eine halbe Stunde vor Spielschluss zum Einsatz.

Zwei Eigenfehler brechen Effretikon das Genick…
Noch bevor die erste Minute verstrichen war, lag Effretikon bereits 0:1 in Rückstand. Mit einem katastrophalen Eigenfehler, einem Querpass in die eigene Mitte lancierte Effretikon den Gastgeber, wo das resolut startende Bülach sich bedankte. Nach 40 Sekunden markierte Denis Videcnik das 1:0.

"Wir haben aus unerklärbaren Gründen den Start total verschlafen", so der nach Spielschluss konsterniert wirkende Effretiker Teamchef. Und Flakon Halimis Nackenhaare sträubten sich später gleich nochmals. Ungenügend die Abwehrleistung seiner zuletzt sicheren Defensive, die gegen den Tabellenzweiten Niederweningen zu Null spielen konnte, was Effretikons Teamchef vor Wochenfrist noch mit grossem Stolz erfüllte.

Statt den Ball rigoros aus dem Gefahrenbereich zu spedierten, vertändelte Effretikon nach knappen zwanzig Minuten das Leder vor dem eigenen Strafraum. Die Unterländer kamen über links mit Giancarlo Pizzolotto, wo dann dessen Anspielstation Videcnik nicht wunschgemäss zum Abschluss kam, doch Valon Rami markierte aus 18 Meter Distanz gegen die zögerlich agierenden Effretiker. "Wir waren am Anfang einfach irgendwie blockiert" so Halimis Erklärungsversuch über den missglückten Auftritt seiner Truppe in der Startphase.

…doch Fahrnis 1:2-Anschluss weckt Hoffnungen
Nach halbstündigem Verlauf traf Adrian Fahrni mit einem herrlichen Flachschuss ins linke, entfernte Eck. Allerdings gab es zu bemerken, dass viele Effretiker nur zögerlich in die Zweikämpfe steigen.

Ganz anders diesbezüglich Bülach, das beispielsweise kompromisslos und besonders hart auf Fabian Danko spielte. Effretikons linker Aussen-Mittelfeldspieler konnte nur noch und noch mit Foulspiel am Durchbruch über die Flanken gehindert werden.

FCE mit nur drei Ergänzungsspieler…
Das FCE-Trainerduo Halimi/Rhyner nahm schon früh einen Wechsel vor. Yanik Meier gab nach längerer Absenz anstelle von Romario ein erfolgsversprechendes Comeback. Ansonsten haben die Effretiker scheinbar bereits wieder ein personelles Problem.

Während Bülachs Interims-Trainer Gian Luca Appassito gleich sieben Ergänzungsspieler, darunter die beiden A-Junioren Erdim Sutas uns Birkan Cicenoglu nominierte, traten die Effretiker "nur" mit drei Ergänzungsspieler an, wovon Alvin Kqiku dann gar nicht zum Einsatz kam.

…dominiert Bülach eine Stunde lang
Effretikon dominierte ab diesem Anschlusstreffer. Bülach das nach dem 2:0 sehr passiv wurde, kam letztlich zu einem höchst schmeichelhaften Sieg. "Uns fehlte die Cleverness", so Halimi. Effretikons Trainer meinte aber auch, dass "dieses Spiel heute eigentlich keinen Sieger verdiente. Wir jedenfalls haben uns heute selbst geschlagen".

Fehlende Cleverness
Zumindst nach dem 1:2-Anschlusstor von Adrian Fahrni schienen die Effretiker etwas aus ihrer Lethargie zu erwachen. Sie wurden nun aktiver, allerdings auch mit weiterhin vielen Fehlern und Ballverlusten auf dem Feld. "Wir wollten und wollten", so Flakon Halimi, "das gewisse Etwas wollte uns heute aber einfach nicht gelingen". Und Effretikons Teamchef attestierte seinen Spielern, dass "punkto Laufbereitschaft, Willen und Kampf alles vorhanden war".

Etwa differenzierter sah es hingegen nach Spielschluss sein Assistent Urs Rhyner und konnte sich über das gesehene beider Mannschaften absolut nicht erfreuen. Für wahr. Das Niveau war wirklich nicht berauschend und erschreckend war eigentlich, dass Bülach, einmal unter Druck geraten, absolut nicht über alle Zweifel in der Defensive erhaben war. Torhüter Felix Angstmann zeigte ebenfalls einige Unsicherheiten. Hätten die Effretiker nicht die von Halimi erwähnte Cleverness vermissen lassen, wäre es auf dem Erachfeld wohl ganz anders ausgegangen.

Halimi will klare Reaktion am Donnerstag
Vom aktuellen dritten, respektive vielleicht vierten Tabellenrang aus könnte Effretikon nun die noch verbleibenden Punktespiele bereits als General-Hauptprobe für die nächste Saison 2018/19 nehmen. Nach dem Seitenwechsel jedenfalls drückten die Effretiker auf den Ausgleich, rannten aber etwas kopf- und erfolglos an.

Bülach erzitterte sich den zweiten Dreier in Folge, während für die Oberländer verbunden mit dem Schlusspfiff die grosse Ernüchterung erfolgte. Zuletzt, als Effretikon noch zum dritten Eckball kam, stürmte selbst FCE-Keeper Mathijs Kläy zuvorderst. Halimi erhofft sich nun am Donnerstag "keine klare Reaktion meiner Mannschaft". (Heinz Minder, Bülach)

Bülach - Effretikon 2:1 (2:1)
Erachfeld. - SR: Milenko Filipovic.- 85 Zuschauer.
Tore: 1. Videcnik 1:0. 25. Rami 2:0. 31. Fahrni 2:1.-Bülach: Amgstmann; Meier, Porgali, Vanz, Winkler; Giancarlo Pizzolotto, Stavropoulos, Schiavi; Gomes Neves, Videcnik.- Ergänzungsspieler: Moresi; Tran Thai, Riccardo Pizzolotto, Pascarella, Sulejmani, Birkan Cicenoglu, Sutas.
Effretikon: Kläy; Aregger, Schanz, Shahinaj, Emrulahri; Ngari; Danko, Romario, Fahrni, Bärtschi; Anioke.- Ergänzungsspieler: Panzer, Yanik Meier, Kqiku.
Bemerkungen: Bülach ohne Tieri (privat), Verderosa (Beruf), Petovello (Ferien), Ömer Cicenoglu (Aufbau).- Effretikon ohne Kim Schärz, Jahjo Zulfikari und Jason Amoako (alle verletzt), Florian Bannwart (Augen-OP), sowie Gürkan Sentuerk (krank/Lungenentzündung), Adrian Lemm (im Aufbau), Dejan Stankovic (Familie), Marc Schneller (Militär) und Torhüter Tim Zgraggen (kein Aufgebot).- Eckballverhältnis: 3:3 (0:2).- Nächstes Spiel des FC Effretikon: Effretikon – Oberglatt (Donnerstag, 19. April, Sportplatz Eselriet, Effretikon: Spielbeginn 20:15 Uhr). 
Letzte Änderung am Dienstag, 17 April 2018 10:07

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